Gegner
WOLFSBURGS DYNAMISCHE WENDE

Nach gutem Saisonstart stolperte der VfL in eine Herbstkrise. Nach vier Niederlagen in fünf Spielen setzte der neue Trainer Oliver Glasner auf einen Systemwechsel und hatte Erfolg damit.

Wer mit einem späten Tor immerhin noch einen kleinen Erfolg in einer lange überlegen geführten Partie erreicht, ist ein wenig erleichtert, aber sicher nicht euphorisch. Der Trainer des VfL Wolfsburg war jedoch nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen Schalke 04 unter der Woche voll des Lobes und wirkte höchstzufrieden. „Eigener Ballbesitz, Umschaltmomente, Gegenpressing, Standardsituationen – wir waren dauergefährlich“, sagte Oliver Glasner. Dass dennoch nur ein Treffer heraussprang, kann er verkraften – zumal die Niedersachsen innerhalb von drei Tagen gleich zweimal ein Last-Minute-Tor erzielten und dadurch insgesamt drei Punkte statt nur einen Zähler holten. In Gladbach war der Siegtreffer kurz vor Schluss gefallen, gegen die Gelsenkirchener nun der Ausgleich. „Ich sehe einfach, wie gut wir spielen, wie viele Torchancen wir herausspielen“, betont der VfL-Trainer. Nach 16 Spielen sind die Niedersachsen die Minimalisten der Liga: Mit 16 Gegentreffer zwar die wenigsten aller der 18 Klubs kassiert, aber eben auch nur zwei Tore mehr erzielt als die beiden Vereine am Tabellenende, Paderborn und Köln.

Ich sehe einfach, wie gut wir spielen, wie viele Torchancen wir herausspielen.

Trainer Oliver Glasner

Gut zwei Wochen zuvor sah die Welt der Wolfsburger noch ganz anders aus. Mit vier Niederlagen in fünf Bundesligaspielen steckten die Niedersachsen mitten in einer Herbstkrise. Das, was zu Saisonbeginn noch ganz gut funktioniert hatte – Effizienz vor dem Tor und auch die defensive Stabilität –, klappte plötzlich überhaupt nicht mehr. Dem Wolfsburger Spiel fehlte Struktur und Spielfreude. Für Glasner war diese Schwächephase auch eine Frage der Einstellung. „Wir sind nicht zum ersten Mal erst dann bereit, an die Leistungsgrenze zu gehen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht“, kritisierte er nach der 0:1-Niederlage in Freiburg und fand den Auftritt „planlos“ und seine Profis „zu bequem“.

Glasner schien die großen Hoffnungen, die mit seiner Verpflichtung im vergangenen Sommer verbunden waren, doch nicht erfüllen zu können. Der 45-Jährige hatte in Österreich aus dem Zweitligisten LASK Linz ein Spitzenteam im Oberhaus geformt – und die Verantwortlichen in Wolfsburg mit seinen Vorstellungen von Fußball überzeugt. Der Nachfolger von Bruno Labbadia ist ein Verfechter des Umschaltspiels und der Dreierkette. „Wir orientieren uns am modernen Fußball. Der wird immer schneller und dynamischer“, sagte er. Als Ziel gab Kapitän Joshua Guilavogui aus, „wir wollen es besser als im Jahr zuvor“ – und da waren die Wölfe Sechster. Ein wenig vorsichtiger formulierte es der neue Trainer, der von einem „Platz in der oberen Tabellenhälfte“ sprach.

Die Neuzugänge passten perfekt zu Glasners dynamischem Spielstil: Den Brasilianer Joao Victor brachte der neue Trainer aus Linz mit, Kevin Mbabu kam aus Bern und Xaver Schlager von RB Salzburg – alle drei überzeugten schnell, allerdings zog sich Schlager im September einen Mittelfußbruch zu und fiel mehrere Wochen aus. Wie wertvoll der robuste Mittelfeldspieler für den VfL sein kann, zeigte er nach seiner Genesung. In Gladbach erzielte er nicht nur das 1:0, sondern sorgte mit seiner Wucht in den Zweikämpfen auch für mehr Stabilität. „Unser gesamtes Spiel bekommt dadurch eine Dynamik, die uns guttut“, findet Glasner.

Die Negativserie nach gutem Beginn – Wolfsburg war Ende Oktober die einzige Profi-Mannschaft ohne Niederlage in Deutschland – hatte auch beim Trainer für ein Umdenken gesorgt. Statt mit Dreier- lässt er nun mit Viererkette spielen und entsprach damit auch dem Wunsch der Mannschaft, die mit der 4-3-3-Grundordnung besser zurechtkommt. Die Wende ist geschafft, die „Wölfe“ fühlen sich gerüstet für das Vorrunden-Finale beim FC Bayern. „Wir fahren mit Selbstbewusstsein nach München“, sagt Glasner, „und werden den Bayern das Leben so schwer wie möglich machen.“