Gegner
Auswärtsstark und effektiv

Unter Bruno Labbadia erlebt der VfL Wolfsburg nach dem Beinahe-Abstieg sportlich eine so gute Saison wie schon länger nicht mehr. Aber eine Debatte um die Zukunft des Trainers überlagert derzeit den Erfolg.

Sportlich läuft es gut. Mal abgesehen vom späten Gegentor am vergangenen Wochenende gegen Werder Bremen, das den Niedersachsen den Sieg gekostet hat, gibt es derzeit wenig auszusetzen an der Leistung. So ein 1:1 wäre vor einem Jahr noch als Erfolg gefeiert worden. Damals hatte sich der Verein nach 24 Spieltagen mitten im Abstiegskampf befunden, dieses Mal bewirbt sich die Mannschaft als Tabellensiebter um die Teilnahme an der Europa League, und sogar die Champions League-Qualifikation ist noch in Reichweite. Immerhin habe man mit dem Remis, fand Verteidiger Robin Knoche, „einen Konkurrenten um die internationalen Plätze auf Abstand gehalten“.

Aber um die Entwicklung der Mannschaft geht es im Moment gar nicht so sehr, auch nicht, dass der VfL Wolfsburg die stärkste Saison seit Jahren spielt. Der Erfolg wird von einer Debatte um den Trainer überlagert, nachdem Sportchef Jörg Schmadtke in einem Interview zugegeben hatte, dass er keine enge freundschaftliche Verbindung zu Bruno Labbadia pflege und manchmal die Chemie nicht stimme. „Ich werde sicher mit ihm keine Kochrezepte austauschen oder einen gemeinsamen Urlaub planen“, hatte er gesagt und damit viel Spielraum für Interpretationen gegeben, schließlich läuft Labbadias Vertrag am Saisonende aus. Ein paar Tage später entschuldigte sich Schmadtke und erklärte, dass noch nichts entschieden sei und es im April das schon länger geplante Gespräch mit dem Trainer geben werde. Labbadia versucht in diesen Tagen, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen: „Für mich ist das Allerallerwichtigste, dass ich mich auf die Mannschaft konzentrieren kann.“

So wie bis vor dem vergangenen Spieltag. Wolfsburg hat in dieser Saison bisher vor allem auswärts einige sehr überzeugende Partien abgeliefert. In Leverkusen und Frankfurt gewannen die Niedersachsen 3:1 bzw. 2:1, in Mönchengladbach zuletzt sogar 3:0. Sie sind hinter den Bayern die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga, knapp vor Borussia Dortmund. „Wir sind nicht so einfach zu knacken“, sagte Labbadia vor der Reise nach München. Er findet, dass seine Mannschaft auf fremden Plätzen durch „eine wahnsinnige Effektivität“ überzeugt, wie in Gladbach. Gegen den FC Bayern muss der VfL-Trainer nur auf die Langzeit-Verletzten Daniel Ginczek und Ignacio Camacho verzichten.

Wir sind nicht so einfach zu knacken

Bruno Labbadia

Die Weichen für diesen Aufwärtstrend stellte Wolfsburg, nachdem am Ende der vergangenen Saison der Klassenerhalt zum zweiten Mal in Serie erst in der Relegation gelungen war. Schmadtke übernahm den seit Klaus Allofs‘ Abschied vakanten Posten als Sport-Geschäftsführer, in Marcel Schäfer kehrte ein ehemaliger Spieler zurück. Mehr als 250 Bundesligapartien hatte er einst für die Wolfsburger absolviert und bekam nun das Amt des Sportdirektors übertragen. Zusammen mit Labbadia, der mitten im Abstiegskampf verpflichtet worden war, sollten die beiden ein Team bauen, das nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat, so die Aufgabe. „Wir tun gut daran, die Saison demütig anzugehen“, sagte der Trainer. Voraussetzung dafür, so Labbadia im vergangenen Sommer, seien Spieler, die mehr Verantwortung übernehmen – und vor allem der zuletzt so harmlosen Offensive neue Impulse geben. Deshalb holten die Niedersachsen in Wout Weghorst (aus Alkmaar) und Daniel Ginczek (vom VfB Stuttgart) zwei erfahrene Stürmer. Die Wolfsburger haben nicht nur die Torausbeute deutlich verbessert im Vergleich zum Vorjahr, sondern bereits sechs Punkte mehr auf dem Konto als nach dem 34. Spieltag der vergangenen Saison. Sportlich passt eben alles im Moment.