Gegner
Hoffenheimer Geduldsspiel nach Fehlstart

Nur ein Sieg in sechs Bundesligaspielen – der Umbruch in Hoffenheim gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Kraichgauer bewahren aber Ruhe, denn der neue Trainer Alfred Schreuder weiß: „Diese Mannschaft braucht Zeit.“

Die Stimmung war nicht gut, klar, die TSG Hoffenheim hatte gerade 0:3 bei Borussia Mönchengladbach verloren und damit die dritte Niederlage in der noch jungen Saison kassiert. Aber die Spieler gaben sich kämpferisch. „Ich denke, dass wir ein Ergebnis gesehen haben, das das Spiel nicht widerspiegelt", fand Benjamin Hübner. 17 Torschüsse und sieben Torchancen führten nicht zum Erfolg. Trainer Alfred Schreuder stellte sich vor seine Spieler. Er würde sich sehr viel mehr Sorgen machen, wenn sich seine Mannschaft keine Chance herausgespielt hätte, sagte er. „Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Das hört sich komisch an, aber die Art und Weise ist genau das, was wir wollen“, sagte er. Kurz darauf sah sich der Verein bereits in der Pflicht, sich vor den Coach zu stellen. Spekulationen, die Verantwortlichen hätten Zweifel an Schreuder, seien „völliger Quatsch“.
Sportdirektor Alexander Rosen versuchte, die Wogen zu glätten. „Wir hatten, bei allem Erfolg in den vergangenen Jahren, diese Phasen immer wieder und vielleicht häufiger als manch einer sich heute noch erinnern mag. Und da waren die Besonderheiten nicht so gravierend wie zu Beginn dieser Spielzeit“, sagte er. Wichtig sei es, ließ Hoffenheims Sportdirektor vor der Reise zum Bundesligaspiel beim FC Bayern wissen, in Ruhe weiterzuarbeiten, „wenn man komplett davon überzeugt ist – und „wir sind überzeugt“ – von Schreuder und dessen Arbeit.
Der Niederländer hatte im Sommer die Nachfolge des nach Leipzig gewechselten Julian Nagelsmann angetreten – als alter Bekannter. Denn der 46-Jährige war bereits gut zwei Jahre als Co-Trainer der Hoffenheimer Profis beschäftigt, zuerst an der Seite von Huub Stevens, später an der von Nagelsmann, ehe Schreuder Anfang 2018 in gleicher Position zu Ajax Amsterdam wechselte. Der Einschnitt war aber nicht nur wegen des neuen Trainers tief, sondern vor allem personell hatte sich viel getan. Vier wichtige Stammspieler – Kerim Demirbay, Nico Schulz, Joelinton, Nadim Amiri – verließen den Verein, in Sebastian Rudy, Robert Skov, Ihlas Bebou und Konstantinos Stafylidis fand sich zwar Ersatz, aber die umgekrempelte Mannschaft musste sich erst finden. „Wir werden immer angreifen“, versprach der Coach, der als Ziel ausgab: „offensiven und attraktiven Fußball zu spielen“ und sich den in der vergangenen Saison verpassten internationalen Startplatz wieder zurückzuholen. Er ahnte jedoch auch, dass es Startschwierigkeiten geben könnte. „Es wird auch Spiele geben, in denen wir das nicht schaffen. Dann musst du etwas defensiver spielen“, sagte Schreuder im Sommer.

Wir werden immer angreifen

Trainer Alfred Schreuder

Aber der Umbruch erweist sich nun um einiges schwieriger, als es sich die Verantwortlichen in Sinsheim vorgestellt hatten. Fünf Punkte nach sechs Spielen, dabei nur ein Sieg (gegen Werder Bremen) sowie der mühevolle Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals (5:4 im Elfmeterschießen gegen Drittligist Würzburger Kickers) – das entspricht nicht den Ansprüchen der Kraichgauer im zwölften Bundesliga-Jahr.
Keine Mannschaft erzielte weniger Tore als Hoffenheim – dabei hatten sich die Verantwortlichen in der Sommerpause trotz der personellen Veränderungen über den Angriff viel weniger Gedanken gemacht als über die Defensive, die in der Vorsaison noch 52 Gegentore kassiert hatte. In dieser Saison ist aber nicht unbedingt die Abwehr das Problem, sondern vielmehr der Angriff und das Aufbauspiel. In München fällt nun definitiv auch noch Ishak Belfodil (Mandelentzündung) aus, neben Andrej Kramaric (nach Knie-OP noch im Aufbautraining) der zweite wichtige Baustein, der in der Offensive fehlt. Schreuder bittet um Geduld: „Diese Mannschaft braucht Zeit.“