Gegner
Bremer Stresstage und eine Diätkur

Nach nur einem Sieg in den vergangenen elf Bundesligaspielen ist in Bremen vom begeisternden Fußball der vergangenen Saison nicht viel übriggeblieben. „Wir sind in einer schweren Situation“, weiß Trainer Florian Kohfeldt.

Florian Kohfeldt leidet. Der Saisonverlauf macht dem Trainer von Werder Bremen zu schaffen, natürlich. Aber er befürchtet, dass die sportliche Krise auch körperliche Folgen für ihn haben könnte. „Ich bin leider so ein Typ, der mehr isst, wenn er Stress hat“, gibt er zu. „Das ist echt blöd, sonst könnte ich wenigstens noch abnehmen, wenn wir schlecht spielen“. Der Blick auf die Tabelle lässt vermuten, der 37-jährige Coach müsse demnächst eine Diätkur machen, denn mit sechs Niederlagen und nur einem Sieg aus den letzten elf Bundesligaspielen liegt Bremen mit 14 Punkten nicht weit entfernt vom Relegationsplatz: Lediglich drei Zähler und drei Ränge trennen Werder und den Tabellen-16. Düsseldorf vor der Partie beim FC Bayern.

Aber die Hanseaten spielten nicht bei allen Niederlagen so schlecht wie zuletzt beim 0:1 gegen Aufsteiger SC Paderborn, vor allem zu Beginn der Saison nicht, aber sie agierten eben etwas unglücklich. Oft wurde eine Führung noch aus der Hand gegeben, zu viele Gegentore fielen nach Standardsituationen – und mit den fehlenden Ergebnissen schien auch das Selbstvertrauen zu schwinden. „Wenn ich schon nicht den besten Tag habe, dann muss ich mich mehr reinkämpfen", sagte Geschäftsführer Frank Baumann nach der Niederlage gegen Paderborn, „das haben wir gerade zu Beginn des Spiels nicht gemacht. Dann sind wir unsauber geworden, haben etwas kopflos agiert, uns deshalb nicht die klaren Chancen herausspielen können."

Wenn ich schon nicht den besten Tag habe, dann muss ich mich mehr reinkämpfen.

Geschäftsführer Frank Baumann

Es ist nicht mehr sehr viel übrig geblieben an der Weser von der Begeisterung der vergangenen Saison, als Werder nur knapp die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpasst hatte – und dementsprechend die Ziele für die neue Runde etwas forscher ausfielen. Bereits in der Vorbereitung sprachen die Spieler davon, dass die Europa League-Teilnahme das „Minimalziel“ sei. Und auch beim Bremer Publikum weckte Kohfeldts erfolgreiche Arbeit Erwartungen. Sein offensiv ausgerichteter Ballbesitzfußball funktionierte immer besser – und die ohnehin leisen Kritiker, dass auf die Defensive manchmal zu wenig Wert gelegt wird, verstummten erst einmal ganz.

Werder war optimistisch, den Abgang von Max Kruse kompensieren zu können. Der Kapitän war nicht nur erfolgreichster Torschützer und bester Vorbereiter, sondern die Seele der Mannschaft. Dennoch war Kohfeldt optimistisch, seine zwei persönlichen Ziele erfüllen zu können: „Weiterentwicklung einzelner Spieler und die Weiterentwicklung der Begeisterung.“ In Niclas Füllkrug holten die Hanseaten von Hannover 96 einen etwas anderen Spielertypen als Kruse. Die größere Strafraumpräsenz des Neuzugangs, fand Kohfeldt, bringe „einen Vorteil“. Bestätigt hat sich dies bisher nicht, denn Füllkrug verletzte sich, noch ehe er richtig integriert war. Der Stürmer fehlt seit Oktober wegen eines Kreuzbandrisses – und Kruse, das haben sie in Bremen mittlerweile feststellen müssen, ist eben nicht so leicht zu ersetzen. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in einer schweren Situation sind“, gibt Kohfeldt zu.

Vom ursprünglichen Saisonziel, am Ende auf einem internationalen Platz zu stehen, ist Werder weit entfernt, will aber im Moment nichts davon wissen, die Vorgabe zu korrigieren. „Vor drei komplizierten Spielen ist es wichtig, sich nur damit zu beschäftigen und nicht groß nach rechts und links zu schauen", sagte Baumann vor dem Jahres-Endspurt. Seinem Trainer hat er in der Krise stets den Rücken stärkt, das weiß Kohfeldt zu schätzen: „Frank hat immer gesagt, dass wir zusammen da durchgehen – egal wie lange es dauert. Das ist für einen jungen Trainer eine unglaublich gute Situation, die man vielleicht nicht überall hat.“ Der Stress bleibt für Kohfeldt – und damit auch die Sorge um sein Körpergewicht.