Gegner
VfB im Abstiegskampf: Nur keine Panik schieben

Der Rückrundenauftakt sollte für Stuttgart ein Neuanfang sein, aber lediglich die Schlussphase gegen Mainz macht ein wenig Hoffnung. In der Defensive agieren die Schwaben fahrlässig und vorne zu mutlos.

Das Beste kam zum Schluss, das Beste des VfB Stuttgart beim Rückrunden-Auftakt. Die letzten Minuten bei der 2:3-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 konnten aber die Probleme der Schwaben nicht kaschieren. Platz 18 in der Tabelle und mittendrin im Abstiegskampf. „Es wird sehr, sehr zäh werden“, sagte Sportvorstand Michael Reschke. „Die Ausgangslage kann nicht viel schlimmer sein, als sie aktuell ist.“  Bis zur 80. Minute hatten die Stuttgarter kaum Gegenwehr gezeigt und innerhalb von sechs Minuten zwei Tore kassiert. „Wir verstecken uns einen Tick. Keiner will einen Fehler machen, dann passieren die Fehler von alleine“, gab Verteidiger Marc Oliver Kempf zu.

Erst nach dem dritten Mainzer Treffer knapp 20 Minuten vor dem Ende drehte der VfB plötzlich auf und sorgte durch die Tore von Nicolas Gonzales und Kempf noch für eine spannende Schlussphase – aber der Endspurt war zu wenig für die ambitionierten Schwaben. „Zusammengefasst machen wir zu viele einfache Fehler und bekommen Gegentore, die fahrlässig sind“, fand Trainer Markus Weinzierl, der in der Abwehr auf dem verletzten Benjamin Pavard, Weltmeister aus Frankreich und künftiger Bayern-Profi, verzichten muss. „Es bringt nichts“, sagt Torhüter Ron-Robert Zieler zur aktuellen Situation, „wenn wir Panik schieben.“

Die Ausgangslage kann nicht viel schlimmer sein, als sie aktuell ist.

Sportvorstand Michael Reschke

Der Start in die Rückrunde hätte ein Neuanfang sein sollen für den VfB nach der verkorksten ersten Saisonhälfte mit nur vier Siegen und insgesamt 14 Punkten. Der Optimismus stützte sich auf die Rückkehr länger verletzter Spieler wie Daniel Didavi oder Anastasios Donis und ein, wie Reschke fand, stark verbessertes „Stimmungsbild in der Mannschaft“. Zudem war der 61-Jährige überzeugt, dass die Arbeit von Markus Weinzierl, der nach sieben Spieltagen Tayfun Korkut abgelöst hatte, nach der Vorbereitung in der Rückrunde Früchte tragen wird. „Er hat eine sehr große innere Ruhe, aber auch eine Impulsivität und Kraft, die er auf die Mannschaft überstrahlen lässt. Das war im Trainingslager sehr intensiv zu spüren“, sagte der Sportvorstand. Zudem wurde  der Klub noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv, holte Alexander Esswein, Steven Zuber und Ozan Kabak. Auch Torjäger Mario Gomez war „zu tausend Prozent davon überzeugt, dass wir nicht absteigen werden.“

Die Zuversicht war fast so groß wie vor dem Start ins neue Spieljahr im vergangenen Sommer. Dass der VfB nach dem Wiederaufstieg auf Anhieb Platz sieben gelandet war, hatte die Hoffnung auf eine Rückkehr zu vergangenen, besseren Zeiten in der Bundesliga genährt im Ländle. „Wir werden eine stabile Saison spielen“, war sich  Reschke im Sommer sicher. Bei der Kaderplanung legten der Sportvorstand und damalige Trainer Korkut Wert darauf, neben den Führungsspielern Gonzalo Castro und Daniel Didavi auch Talente zu holen. Dass die auch von anderen Vereinen umworbenen Borna Sosa, Marc Oliver Kempf und Pablo Maffeo sich für die Schwaben entschieden haben, spreche „für die Strahlkraft, die Wahrnehmung, die Ambitionen des VfB Stuttgart“, fand Reschke. Das hatte sich aber schnell erledigt. Nur an zwei von bisher 18 Spieltagen belegte der Verein nicht einen der drei letzten Tabellenplätze.