Gegner
Eintracht: Mitten im Strudel

Der Umbruch nach dem Weggang der so erfolgreichen „Büffelherde“ Rebic, Haller und Jovic gestaltet sich für Trainer Adi Hütter schwieriger als gedacht.

Noch ehe es richtig angefangen hatte, war das erste Spiel nach dem Re-Start für Eintracht Frankfurt auch schon wieder vorbei. Das 0:1 kassierten die Hessen im Duell mit Borussia Mönchengladbach nach 36 Sekunden, das 0:2 nach sieben Minuten. Die Mannschaft von Adi Hütter bemühte sich anschließend redlich, noch die Wende zu schaffen, blieb vor leeren Rängen aber zu ungefährlich. Am Ende stand es 1:3. Der Treffer von André Silva in der Schlussphase gehörte zu jenen Dingen, mit denen Hütter seinen Spielern Mut zu machen versucht. Er habe „viele Sachen gesehen, die mir gefallen haben“, sagte der Eintracht-Coach. Deshalb mache er sich auch keine Sorgen, „aber Gedanken. Wir sind uns der Situation bewusst. Sie ist sehr unangenehm.“ Die vier letzten Bundesligaspiele gingen allesamt verloren, dabei kassierten die Hessen 13 Gegentore. In der Tabelle sind sie auf den 13. Platz abgerutscht, allerdings mit einem beruhigenden 10-Punkte-Vorsprung auf den Werder Bremen, das den ersten Abstiegsrang belegt.


 „Uns fehlt der letzte Punch“, gibt Sebastian Rode vor dem Duell mit seinem Ex-Klub FC Bayern zu. In München müsse man „viel Gras fressen“, um nicht einen weiteren Tiefschlag zu erleben, sagt der Mittelfeldspieler. Schon vor der Liga-Unterbrechung wegen Corona habe man „zu viele falsche Entscheidungen“ in der gegnerischen Hälfte getroffen. Das hat sich nun gegen Gladbach fortgesetzt. Der erste Angriff, der halbwegs gefährlich abgeschlossen wurde, gelang erst nach 19 Minuten. „Da hapert es gewaltig“, findet Rode.  Ähnlich sieht es auch Torhüter Kevin Trapp. Gegen Gladbach sei man zu mutlos und nicht aggressiv genug aufgetreten. Die Eintracht sei nun im Kollektiv gefordert, man habe erkannt, „dass wir wieder mehr als Mannschaft agieren müssen“.


So wie vor einem Jahr, als die Frankfurter in der Europa League für Furore gesorgt hatten und bis ins Halbfinale vorgestoßen waren. In der Liga war die Doppelbelastung nicht ohne Folgen geblieben in der Schlussphase der Saison, um ein Haar hätten sie die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasst. Im Sommer verloren sie jene drei Spieler, die für den erfolgreichen Offensivfußball der Eintracht standen und wettbewerbsübergreifend zusammen 57 Tore in der Saison 2018/19 erzielten:  Ante Rebic, Luka Jovic, Sebastien Haller, wegen ihrer körperlichen Präsenz als „Büffelherde“ bezeichnet, zog es in andere europäischen Top-Ligen. Sie hinterließen eine Lücke, die – das war den Verantwortlichen allerdings von Anfang an klar – durch die Zugänge Bas Dost und Dejan Joveljic nicht so leicht zu schließen ist. Hatte die Eintracht nach 26 Spieltagen in der vergangenen Saison 51 Tore erzielt und damit die drittmeisten nach Bayern und Dortmund, sind es jetzt gerade einmal 39 Treffer.

Uns fehlt der letzte Punch

Sebastian Rode

Dabei lief es in der Hinrunde lange gut für die Hessen, Adi Hütter schien der Umbruch weitgehend gelungen zu sein. Nach den beiden deutlichen Siegen gegen Leverkusen (3:0) und den FC Bayern (5:1) lagen sie nur zwei Punkte hinter dem Dortmund und nur einen hinter dem Meister aus München. Spieler wie Dost träumten bereits von der Champions League. Sportdirektor Fredi Bobic versuchte, die Begeisterung etwas zu bremsen. Es sei meistens so, sagte er, „dass wir in der Hinrunde in Schlagdistanz sind und dann in der zweiten Hälfte schwächer werden“. Tatsächlich ging es bis Weihnachten fast nur noch bergab. „Da sind wir in einen Strudel geraten“, gibt Rode zu.  Nach nur einem Punkt aus sieben Spielen bis zur Winterpause wusste Hütter: „Wir müssen jetzt die Bremse reinhauen und komplett in eine andere Spur finden. Wir sind dazu in der Lage, jeden Gegner wehzutun.“ Zu Beginn der Rückrunde mussten tatsächlich die TSG Hoffenheim, RB Leipzig (in der Liga und im DFB-Pokal) und der FC Augsburg leiden. Seit Mitte Februar leidet aber fast nur noch die Eintracht.