Gegner
Viele Sorgen und ein paar Diskussionen auf Schalke

Nach dem Vizetitel der Vorsaison bleibt Schalke 04 bisher hinter den Erwartungen zurück. Trainer Tedesco genießt trotzdem das Vertrauen der Verantwortlichen.

Das Erfolgs-Erlebnis kam dem FC Schalke 04 gerade recht nach den vielen Diskussionen und einem Rückschlag. Aber das 4:1 gegen Fortuna Düsseldorf und der damit verbundene Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals waren am Mittwochabend erst einmal nur Nebensache. Die Mannschaft, der Verein, die Fans, nahmen auf ganz besondere Weise Abschied von Rudi Assauer, jenem Mann, für das moderne Schalke wie kein anderer steht. „Legenden sterben nie – ruhe in Frieden“, stand in weißer Schrift auf einem großen schwarzen Banner, das die Fans den Spielern in die Hände gedrückt hatten. An diesem Abend in Gelsenkirchen drehte sich fast alles um den wenige Stunden zuvor im Alter von 74 Jahren verstorbenen ehemaligen Manager.  

Mit Ausnahme von Kapitän Ralf Fährmann kennt keiner der aktuellen Spieler den Mann, der insgesamt gut 18 Jahre die Geschicke des Vereins leitete. „Nichtsdestotrotz ist uns allen bewusst, welche Bedeutung Rudi Assauer für diesen Verein hatte“, gab Trainer Domenico Tedesco zu: „Umso schöner ist es, dass wir mit dem Sieg den Tag ein wenig positiver gestalten konnten.“ Die Tore des erst 18 Jahre alten Ahmed Kutucu und Mark Uth sowie die beiden Treffer von Salif Sané sorgten sportlich dafür, dass wieder etwas Ruhe einkehrte bei den Königsblauen.

Nach dem Rückrundenstart mit einem Sieg gegen Wolfsburg, dem Unentschieden bei Hertha BSC und der Heimniederlagen gegen Borussia Mönchengladbach beschäftigte Schalke vor allem Diskussionen um die Jobsicherheit von Manager Christian Heidel, Verletzungssorgen, eine kriselnde Offensive, weiterhin der Verkauf von Innenverteidiger Naldo in der Winterpause sowie die Torhüterfrage. Tedesco hatte in der Rückrunde in Ralf Fährmann nicht nur einen arrivierten Spieler zunächst auf die Bank gesetzt, sondern auch den Kapitän. Er kehrte zwar im Heimduell mit Gladbach zurück, aber erst einmal nur, weil Alexander Nübel die Rote Karte gesehen hatte. Tedesco denkt nicht daran, „alles umzuwerfen. Das gehört dazu, das ist ein Reifeprozess für Alex.“ Es bedeutet, dass Nübel nach seiner Sperre von zwei Spielen wieder zurückkehren soll ins Schalker Tor.

Das heißt jedoch nicht, dass jeden Tag für uns die Sonne scheint.

Es werden auch Rückschläge kommen.

Ralf Fährmann

Die Mannschaft ist derzeit als Tabellenzwölfter weit entfernt von ihren Ambitionen nach dem hervorragenden zweiten Platz im Vorjahr. Sie hat mit 22 Punkten gleich zwölf Zähler weniger auf dem Konto als nach dem 20. Spieltag der vergangenen Saison. „Es wäre schön, wenn wir uns für den internationalen Wettbewerb qualifizieren könnten“, hatte Tedesco im Sommer gesagt – und damals klang dies nach Understatement. Die Schalker überzeugten im Premieren-Jahr des Trainers zwar nicht unbedingt durch attraktiven Fußball, aber mit einer sehr erfolgreichen Kontertaktik. Die Mannschaft, da war man sich bei den Königsblauen einig, befindet sich immer noch im Umbruch. Der große Vorteil sei, sagte Fährmann im Sommer, „dass wir nicht wieder bei null anfangen müssen“, sondern den nächsten Schritt machen können, wobei der nicht zwangsläufig bedeutete, „die Erfolge der Vorsaison zu wiederholen oder zu toppen“, fand Fährmann.

Mit Zugängen für alle Mannschaftsteile, Stürmer Mark Uth, Verteidiger Salif Sané sowie die Mittelfeldspieler Omar Mascarell und Suad Serdar, sollten nicht nur die Abgänge von Leistungsträgern wie Leon Goretzka, Max Meyer kompensiert werden, sondern Schalke noch mehr Durchschlagskraft verleihen. „Das heißt jedoch nicht, dass jeden Tag für uns die Sonne scheint“, sagte Fährmann und ahnte: „Es werden auch Rückschläge kommen.“ Die ersten kamen gleich zu Saisonbeginn, mit sieben Spielen ohne Sieg. Aber Tedesco wurde auch nach weiteren Niederlagen nicht in Frage gestellt. Der Trainer genießt noch das Vertrauen der Verantwortlichen, und das war nicht immer so bei Schalke 04.