Gegner
Plötzlich dynamisch und emotional

Schalke 04 ist wieder zu einem Spitzenklub gereift – dank David Wagner. Der neue Trainer hat ein Feuer entfacht und schafft es, „die Leute mit auf die Reise“ zu nehmen, wie Sportverstand Jochen Schneider schwärmt.

Nach dem erfolgreichen Start in die Rückrunde war es plötzlich wieder da, dieses Wort, das beim FC Schalke 04 zwar so manch eine schmerzhafte Erinnerung hervorruft, und doch auch die Gewissheit gibt, in dieser Saison vieles richtig gemacht zu haben. Meisterschaft – damit haben die Königsblauen schon länger nichts mehr zu tun gehabt, auch nicht vor zwei Jahren, als die Schalker hinter dem FC Bayern Zweiter wurden, allerdings mit großem Rückstand und deshalb chancenlos. In dieser Saison sind sie mittendrin im spannenden Titelkampf, Trainer David Wagner will davon allerdings nichts wissen. „Ich habe dafür im Moment wenig Kapazitäten im Kopf“, sagte er nach dem 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Auch seine Spieler beschäftigen sich nicht mit der Chance, um den Meistertitel mitzumischen. 

Nach 18 Spieltagen hat der Tabellenfünfte 33 Punkte und damit so viele wie nach der kompletten vergangenen Saison, in der Schalke lange im Abstiegskampf steckte. Michael Gregoritsch kam in der Winterpause vom FC Augsburg und stellte schon nach zwei Wochen fest, „dass eine unglaublich gute Qualität in der Mannschaft ist“. Der Österreicher hatte einen perfekten Einstand in Gelsenkirchen gefeiert – mit einem Tor und einer Vorlage. Für Gregoritsch ist es „ein schönes Gefühl“ und eine neue Erfahrung, „im oberen Tabellendrittel zu sein, nach München zu fahren und zu wissen, dass das ein Spitzenspiel ist“, sagte der Angreifer vor der Partie beim FC Bayern.

Ein schönes Gefühl und eine neue Erfahrung, im oberen Tabellendrittel zu sein.

Neuzugang Michael Gregoritsch

Es hat sich viel getan im vergangenen Jahr. Allerdings betrafen die Veränderungen vor der Saison zunächst mehr das Umfeld der Mannschaft als das Teamgefüge selbst. Jochen Schneider löste Christian Heidel als Sportvorstand ab und holte sich unter anderem den früheren Bayern-Chefscout Michael Reschke als Technischen Direktor in die Führungsetage. Die wichtigste Personalie war aber die des Trainers. Wagner besitzt als Schalker Ex-Spieler nicht nur den viel zitierten Stallgeruch, sondern sorgte in England für Furore, als er 2017 das kleine Huddersfield in die Premier League führte. „Er kann Menschen begeistern und ein Feuer entfachen“, stellte Schneider schnell fest. „David nimmt die Leute mit auf die Reise.“

An der Mannschaft waren dagegen nur kleinere Korrekturen vorgenommen worden: Stürmer Breel Embolo ließen die Schalker zu Mönchengladbach ziehen, holten dafür Spieler, „die uns alle besser machen“, findet Schneider, darunter Benito Raman von Fortuna Düsseldorf für die Offensive und Verteidiger Ozan Kabak aus Stuttgart. Weitsicht bewiesen die Verantwortlichen bei der Verpflichtung von Dresdens Torwart Markus Schubert, er wird im Sommer die Nachfolge des künftigen Münchners Alexander Nübel als Nummer eins antreten. Im Winter wurde noch einmal nachgearbeitet, neben Gregoritsch kam Verteidiger Jean-Clair Todibo auf Leihbasis vom FC Barcelona. Als Ziel gaben die Königsblauen aus, wieder Anschluss an die obere Tabellenhälfte herzustellen. „Wir werden unabhängig vom Tabellenplatz mindestens einen Schritt nach vorne machen“, war sich Wagner schnell sicher.

Was er anpackt, scheint Hand und Fuß zu haben. Seine Idee ist vergleichbar mit der von Liverpools Trainer Jürgen Klopp. Als „sehr temporeich, aggressiv, aktiv und dynamisch angelegt und dadurch auch emotional“ bezeichnet Wagner das von ihm bevorzugte Spiel – und das passt glänzend zum Malocher-Klub aus dem Revier. Nur drei Niederlagen leisteten sich die Schalke in der Hinrunde, eine davon gegen den FC Bayern. Zu den Höhepunkten gehörte der Sieg gegen Tabellenführer Leipzig Ende September (3:1). „Unser Ansatz vor Saisonbeginn war“, sagte Schneider, „dass auf dem Platz etwas passieren musste.“ Auf dem Platz passiert bei Schalke in dieser Saison einiges – und meist Positives.