Gegner
Leipzig und das Kreuz mit dem Gipfelkreuz

Nach einer souveränen ersten Saisonhälfte läuft es für RB Leipzig derzeit nicht rund. Zuerst verloren die Sachsen die Tabellenführung in der Bundesliga, dann scheiterten sie im Pokal-Achtelfinale.

Julian Nagelsmann wollte sich nicht aufhalten mit langen Erklärungen. Der Trainer von RB Leipzig war angefasst, als er sich mit seiner Mannschaft nach der zweiten Niederlage in diesem Jahr auf dem Weg nach Hause gemacht hatte. Zweimal innerhalb von elf Tagen hat Eintracht Frankfurt den Herbstmeister geknackt, zunächst in der Bundesliga 2:0 und unter der Woche im DFB-Pokal 3:1. „In der Hinrunde haben wir aus all den Situationen zumindest mal ein Tor gemacht, heute haben wir aus den vier sehr guten Chancen in der ersten Halbzeit kein Tor gemacht“, analysierte Nagelsmann nach der zweiten Pleite knapp.

Die Spitzenposition ist nach drei Partien in der Rückrunde erst einmal wieder abgegeben und nun ist auch noch die Titelchance im Pokal bereits im Achtelfinale vorbei. Es ist eben noch schwieriger, ein bestimmtes Niveau zu bestätigen als es zu erreichen. Stürmer Yussuf Poulsen beklagt fehlende Effektivität im letzten Drittel. Und weil Diego Demme, dienstältester RB-Profi, im Winter den Klub Richtung Neapel verließ, fehlt zudem hinten ein Stabilisator. Das Duell mit dem FC Bayern könnte also kaum ungelegener kommen. Leipzig versucht deshalb, die Bedeutung der Begegnung etwas herunterzufahren: „Bayern ist kein Endspiel“, verkündete Sportdirektor Markus Krösche.

Bayern ist kein Endspiel.

Sportdirektor Markus Krösche

Nagelsmann hatte bereits nach der ersten Niederlage in Frankfurt, dem 0:2 in der Bundesliga, an die Einstellung seiner Profis appelliert. Besonders im Training merke man, „dass wir noch weit davon weg sind, eine Spitzenmannschaft zu sein", sagte der Coach. „Wenn man kurz vor dem Gipfel steht, ist immer die Frage, wo man hinwill. Entweder ich will nach oben zum Gipfelkreuz und etwas erreichen, oder ich biege vorher ab und esse und trinke gemütlich etwas. Dann wirst du am Ende halt nur Vierter, wenn es gut läuft.“

Der 32-Jährige steht bei den Sachsen vor seiner ersten Bewährungsprobe als Krisenmanager. Seit er im vergangenen Sommer das Traineramt übernahm, ist es bis nur bergauf gegangen. RB Leipzig legte eine souveräne erste Saisonhälfte hin, eine noch bessere als der Mannschaft im Jahr zuvor gelang. Die Fußstapfen von Ralf Rangnick, der nun als „Head of Sports und Delopment Soccer“ die drei Fußball-Standorte des Konzerns – Leipzig, New York und Bragantino in Brasilien – verantwortet, schienen groß, aber wie sich zunächst herausstellte, nicht zu groß. Der frühere Hoffenheim-Coach schaffte es, Timo Werner im Verein zu halten. Wie wertvoll der deutsche Nationalstürmer für RB ist, zeigt seine Trefferquote. Mit 20 Toren ist er der einzige, der mit Robert Lewandowski (22) noch mithalten kann.