Gegner
In der Ruhe liegt die Mainzer Kraft

Auch nach zuletzt fünf Niederlagen aus sechs Spielen lässt sich der FSV nicht aus dem Konzept bringen.

Die Jungs vom FSV Mainz 05 hatten zuletzt richtig Spaß, nicht auf dem Rasen, sondern beim Rosenmontagszug. Die Idee, dort mitzumachen, kam vom Trainer. Als selbsternannter „Karnevalsverein“ sollten die Nullfünfer doch auch einen Beitrag zum wichtigsten Ereignis in der närrischen Zeit leisten. „Der Rosenmontagszug gehört zu uns Mainzern und verkörpert unsere Lebensfreude“, sagte Sandro Schwarz. Mit dem eigens kreierten bunten Fastnachtstrikot über dicken Jacken standen die Spieler bei stürmischem Wetter auf dem Wagen. Aber Schwarz ging es dabei nicht nur um eine Mainzer Tradition, „ein solches Gemeinschaftserlebnis“, fand er, „tut dem Team gut.“

Wenigstens abseits des Platzes haben die Mainzer ein bisschen Spaß und können Frohsinn demonstrieren, denn sportlich gibt es gerade nicht so viel zu lachen. Fünf der vergangenen sechs Spiele hat der FSV verloren. Es waren deutliche Niederlagen dabei, wie die gegen Leverkusen (1:5), den FC Augsburg (0:3) oder den VfL Wolfsburg (0:3), aber vor allem die beiden letzten gehören in die Kategorie vermeidbar. Beim 1:2 gegen Hertha BSC in Berlin verloren die Mainzer nach der Führung den Faden.

Und gegen die angeschlagenen Gladbacher am vergangenen Spieltag dominierte die Mannschaft eine Halbzeit lang und bot ein gefälliges Spiel, aber nur „bis zum Strafraum“, wie Sportvorstand Rouven Schröder zugab. Der letzte Pass kam selten an, mehr als ein Dutzend Flanken flogen zwar vor das Tor, aber fanden dort keinen Abnehmer. „Im letzten Drittel fehlt uns die Geradlinigkeit, die Durchschlagskraft und die richtige Entscheidung. Manchmal sind es nur 20 Zentimeter, manchmal Millimeter“, stellte der niederländische Mittelfeldspieler Jean-Paul Boetius fest. Dennoch rechnet er sich beim Auftritt in München etwas aus. „Wir haben Respekt vor der Aufgabe, aber keine Angst. Wir wollen einfach einen guten Job machen und fahren nicht dorthin, um uns abschlachten zu lassen“, sagte er vor der Reise zum deutschen Rekordmeister. Gegen den FC Bayern muss Mainz auf Gerrit Hofmann (Muskelverletzung) und Philipp Mwene (Knieoperation) verzichten.

Wir haben Respekt vor der Aufgabe, aber keine Angst.

Wir wollen einfach einen guten Job machen …

Jean-Paul Boetius

Die Tristesse in Mainz hält sich nach der Negativserie ohnehin in Grenzen. „Es gaben Zeiten, da haben wir vier, fünf Spiele verloren und unterirdisch gespielt“, sagte Kapitän Stefan Bell: „Davon sind wir weit entfernt.“ Weil die Rheinhessen sich in der Vorrunde bereits ein gutes Polster angeschafft haben, gibt es keinen Grund, nervös zu werden. In der Ruhe liegt die Kraft – neun Spieltage vor dem Saisonende haben sie auf Rang 13 immerhin elf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind damit viel besser dran als im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit. Damals steckte die Mannschaft bis zum Schluss im Abstiegsstrudel.