Uli Hoeneß
Hoeneß geht – Hainer und Kahn kommen

Die Zukunft des Deutschen Meister nimmt Konturen an, in der Führung kommt es zum prominenten Personalwechsel.

Uli Hoeneß winkte noch einmal kurz, dann sagte er fröhlich „Auf Wiedersehen“ und verschwand von der Bühne. So endete die Pressekonferenz am Freitag, auf der der vom FC Bayern nicht wegzudenkende Macher erklärt hatte, dass man sich mit dem Gedanken an einen FC Bayern ohne Hoeneß anfreunden muss. Der 67-Jährige wird sich auf der Jahreshauptversammlung am 15. November nicht mehr als Präsident zur Wahl stellen und in der Folge auch seinen Posten als Aufsichtsratschef abgeben. Für beide Ämter schlug er Herbert Hainer als Nachfolger vor, der Verwaltungsbeirat segnete den Kandidaten einstimmig ab. Hoeneß legte den Mitgliedern ans Herz, den 65-Jährigen zu wählen: „Er ist die Idealbesetzung. Einer, der adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen.“ Neben Hainer steht in Oliver Kahn (50) ein weiterer Mann bereit, damit der Deutsche Meister auch in Zukunft salonfähig bleibt. Der ehemalige Bayern-Kapitän steigt am 1. Januar 2020 im Vorstand ein, erhält einen Fünfjahresvertrag und wird Karl-Heinz Rummenigge ab Januar 2022 als Vorsitzender ablösen.
Authentisch, auskunftsfreudig, sympathisch – so lautete das Urteil nach der Pressekonferenz von Hoeneß. Er hatte detailliert geschildert, wie in ihm der Entschluss zum Rücktritt im Lauf der letzten Monate gereift war. Es sei keine spontane Entscheidung gewesen, dafür habe er viel zu viel Respekt vor dem Amt, sagte er, und ebenso sei nicht ausschlaggebend gewesen, dass es zwischen ihm und Rummenigge immer wieder zu Reiberein kommt. „Das ist schon seit zehn Jahren so, und ich schätze unsere Streitkultur“, erklärte er. Am Ende der Pressekonferenz überraschte der Vorstandschef seinen Weggefährten, als er plötzlich das Podium enterte, Hoeneß eine Fotowand schenkte, ihm für 45 gemeinsame Jahre dankte und zu den angeblichen „Zwistigkeiten“ der Alphatiere den früheren britischen Premierminister Winston Churchill zitierte: „Wenn zwei Menschen immer wieder die gleichen Ansichten haben, ist einer von ihnen überflüssig.“
Hainer sei „ein Mann des Sports und habe viel Ahnung von Fußball“ erläuterte Hoeneß die Vorzüge seines designierten Nachfolgers. Er habe sich beeilen müssen, um ihm das Amt beim FC Bayern schmackhaft zu machen, denn auch der DFB klopfte bereits an, ob Hainer Verbandschef werden wolle. Seit Jahren sind die beiden vertraut, „und in unseren Gesprächen habe ich gemerkt, dass ihn diese Aufgabe hier reizt“. Kahn habe er seit längerem beobachtet, berichtete der Präsident, seine Entwicklung sei absolut positiv. „Und es ist wichtig, dass einer bewiesen hat, dass er weiß, wie man einen Ball stoppen kann.“ Kahn ließ wissen, er freue sich auf die Aufgabe: „Der FC Bayern hat mein Leben sehr stark geprägt, ich bin ihm sehr verbunden.“ Zwischen 1994 und 2008 holte der ehemalige Kapitän acht Meisterschaften, sechs Pokalsiege und 2001 die Champions League, wobei er im Finale drei Elfmeter hielt. Hoeneß meinte, er könne den FC Bayern guten Gewissens übergeben: „Dieser Verein ruht in sich selbst. Und er hat die Kraft, dass er auch ohne Uli Hoeneß erfolgreich sein wird.“ Er wird im Aufsichtsrat bleiben – und so wird er in regelmäßigen Abständen immer wieder „Grüß Gott“ sagen.