Gegner
Leipzig zurück zum Rangnick-Fußball

RB hat sich nach einem schwierigen Saisonstart in der Liga-Spitze festgesetzt. Übergangs-Trainer Ralf Rangnick setzt sich zum Ziel, „dass wir dafür auch wieder gefürchtet werden.“

Die schlechte Stimmung nach der großen Enttäuschung hielt in Leipzig nicht lange an. Aus der Europa League musste sich RB noch vor Weihnachten verabschieden, weil die Mannschaft bei Rosenborg Trondheim am letzten Spieltag der Gruppenphase nur ein 1:1 erreicht hatte. „Wir müssen das Positive sehen, auch wenn es doof klingt“, sagte Kapitän Willi Orban. „Wir können uns auf die Bundesliga konzentrieren.“ Bereits drei Tage später gelang dies ganz gut, mit jeweils zwei Treffern entschieden Yussuf Poulsen und Timo Werner die Partie gegen den FSV Mainz 05. Trainer Ralf Rangnick lobte nach dem 4:1 „die absolute Einheit“ der Mannschaft. Mit dem Erfolg festigten die Sachsen vor der „Mammutaufgabe“, wie RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff die Partie gegen den FC Bayern bezeichnet, den vierten Platz in der Bundesliga-Tabelle, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt.

Es lief in dieser Saison bisher nicht alles nach Wunsch bei den Leipzigern, die in München auf den gelbgesperrten Marcel Sabitzer verzichten müssen. Das Aus im europäischen Wettbewerb kam früher als erhofft. Wieder das Viertelfinale zu erreichen, wäre schön gewesen, da ist man sich bei RB einig. Aber darum ging es Ralf Rangnick nicht in erster Linie, als der Sportdirektor im Sommer noch einmal als Trainer einsprang. Er überbrückt nach dem vorzeitigen Rückzug von Ralph Hasenhüttl im vergangenen Mai die Zeit, bis Julian Nagelsmann am 1. Juli 2019 übernimmt. Als Übergangsjahr will Mintzlaff diese Saison aber nicht sehen: „Dafür sind wir zu ehrgeizig.“

Rangnicks Ziel war und ist es, dass Leipzig wieder zum RB-typischen Fußball zurückkehrt, zu jener Spielidee also, die er der Mannschaft einst verpasst hatte. Man wolle „mit mehr Konstanz unsere Stärken auf den Platz bringen“, sagte der Schwabe. Mit aggressivem Pressing und schnellem Umschaltspiel überraschten die Sachsen nach dem Aufstieg vor zwei Jahren die Gegner. Ziel sei es, erklärte Rangnick, „dass wir dafür auch wieder gefürchtet werden“. Als entscheidend nannte er vor der Saison, dass RB besser mit der Doppelbelastung Europapokal zurechtkommt. „In der Steuerung der Spiel- und Trainingsbelastung haben wir alle dazugelernt“, war er sicher. Die Lücke, die der zum FC Liverpool abgewanderte Naby Keita hinterließ, wollten die Leipziger aus „der Mannschaft heraus gemeinsam“ schließen, sagte Rangnick. Der Weg sei anstrengend, „aber wir werden ihn mit sehr viel Hingabe und Lust gemeinsam bewältigen“.

Der Weg ist anstrengend, aber wir werden ihn mit sehr viel Hingabe und Lust gemeinsam bewältigen

Ralf Rangnick

Zunächst aber gab es aber mehr Frust als Lust. Nur einen Punkt aus zwei Bundesliga-Spielen holte Leipzig, dazu kamen die mühevollen Erfolge im Pokal und im internationalen Wettbewerb. Beim Viertligaklub Viktoria Köln lief die Mannschaft lange Zeit einem Rückstand hinterher und in der Europa League-Qualifikation benötigte sie gegen Sorja Luhansk aus der Ukraine einen Strafstoß in der Nachspielzeit, um in die Gruppenphase einzuziehen. „Im Moment ist der Kader nicht so leistungsstark, wie er schon mal war und wie er eigentlich auch sein müsste“, gab Rangnick im September zu. Das änderte sich, RB kletterte nach einer Erfolgsserie von zehn Bundesliga-Spielen ohne Niederlage in der Tabelle nach oben. In der Europa League wahrte der Verein bis zum letzten Spieltag der Gruppenphase trotz der beiden Pleiten im Bruder-Duell mit RB Salzburg die Chance auf den Einzug in die K.o.-Phase. Gegen Trondheim misslang, was drei Tage später prima klappte: Das Nutzen der Torgelegenheiten. „Es hätte nur einen Sieger geben dürfen – und das waren wir“, sagte Rangnick nach dem unglücklichen Remis und dem Europacup-Aus: „Im Moment fühlt es sich schon etwas surreal an.“ Mit den vier Treffern gegen Mainz sind der Trainer und seine Spieler aber schnell wieder in der Realität angekommen.​​​​​