Gegner
Hertha mit mehr Tempo und Spielkunst

Der neue Trainer Ante Covic setzt bei Hertha BSC andere Impulse als sein Vorgänger Pal Dardai.

Nicht immer sind unterklassige Mannschaften angenehme Pokalgegner. Einige Bundesligisten bekamen dies zuletzt in der ersten Runde zu spüren. Hertha BSC gehörte dieses Mal nicht dazu, der Auftritt im Süden war mehr Lust als Qual. „Wir hatten wesentlich mehr schöne und bessere Sequenzen als nicht so gute“, sagte Covic nach dem ungefährdeten 5:1-Sieg gegen den Viertligisten VfB Eichstätt. „Dass nicht alles über 90 Minuten perfekt lief, steht außer Frage.“

Als Generalprobe für den Bundesliga-Auftakt in München taugt die Vorstellung in der ersten DFB-Pokal-Hautrunde allerdings nur bedingt. Der FC Bayern sei „ein anderes Kaliber“, weiß der neue Hertha-Coach Ante Covic. Dennoch sieht er den Sieg als gutes Zeichen. „Dadurch, dass wir so souverän aufgetreten sind, kommt der Glaube noch mehr an das, was wir versuchen zu erzeugen“, sagte der Kroate.

Covic hat Pal Dardai beerbt, der nach viereinhalb Jahren erst einmal eine Auszeit nimmt, um dann in der kommenden Saison wieder als Nachwuchscoach bei den Berlinern anzutreten. Der Klub ist sich bei der Wahl des Trainers treu geblieben: Wie 2015 bekam ein Mann aus den eigenen Reihen das Vertrauen. Covic war nach seiner Profikarriere, die einst bei der Hertha ausgeklungen war, als Trainer in den Nachwuchsbereich gewechselt. Zuerst bei der U15, später bei der U19 und der U23 – insgesamt neun Jahre kümmerte er sich um die Ausbildung von Talenten. Eine erste Erfahrung bei den Profis machte der Coach Covic 2012 – als Assistent der Übergangslösung René Tretschok sowie anschließend von Otto Rehhagel.

Als im Frühjahr der Abschied von Dardai feststand, unterhielt sich Manager Michael Preetz auch mit externen Kandidaten, „aber mit jedem Gespräch hatte ich mehr das Gefühl, dass wir die richtige Lösung schon im Verein haben“, sagte er und verwies auf das, was letztendlich mitausschlaggebend war:„Ante kennt Hertha aus dem Effeff.“ Aus dem begabten Stürmer, dem oft fehlender Ehrgeiz vorgeworfen worden, ist ein erfolgshungriger, fokussierter Trainer geworden.

 

Ante kennt Hertha aus dem Effeff.

Manager Michael Preetz

Um aber nicht permanent mit dem Vorgänger verglichen zu werden, vor allem wenn wie im Fall Dardai die Ära ganz erfolgreich war, müssen neue Trainer andere Impulse setzen, einen eigenen Stil entwickeln. Covic legt etwas mehr Wert auf Ästhetik, in der Vorbereitung war zudem zu erkennen, dass er das Offensivspiel forciert: Mehr Ballbesitz, mehr Tempo, direkteres Spiel in die Spitze – darauf liegt das Augenmerk des 43-Jährigen. „Es geht darum, die Ideen des offensiven Fußballs zu verfeinern und den Zuschauern wunderbare Momente zu bescheren“, sagt Preetz. Dass es natürlich immer auch um Punkte gehe, fügt der Manager an, sei klar. „Diese Balance müssen wir hinkriegen.“ Das Ziel ist dennoch bescheiden. Man wolle „besser abschneiden als in der vergangenen Saison“, sagte Covic. Die hatte die Hertha auf Platz elf beendet. Dass die Berliner nun auch bei der Transferpolitik etwas mehr Spielraum haben, ist dem Einstieg eines neuen Finanzinvestors zu verdanken, der 37,5 Prozent der Anteile an der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien erwarb.

Gut ins Offensivkonzept von Covic passt Neuzugang Dodi Lukebakio. Der Belgier ist schnell, offensiv variabel einsetzbar und zudem torgefährlich. „Ein hochtalentierter Spieler, der nicht am Ende seiner Entwicklung ist“, sagt der Coach über den Berliner Rekordtransfer. Mit zehn Toren war der 21-Jährige in der vergangenen Saison maßgeblich am Klassenerhalt von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf beteiligt. Zwar gab der Verein Spielmacher-Talent Valentino Lazaro ab, der Österreicher wechselte zu Inter Mailand, aber dafür kam neben Lukebakio noch ein anderer junger Spieler mit großer Perspektive. Der erst 18 Jahre alte Daishawn Redan aus den Niederlanden spielte bereits mit 16 in der U 18 des FC Chelsea und mit 17 in der U 23. „Ich glaube, wir werden schönen Fußball spielen, wenn wir alles umsetzen“, sagt Mittelfeldspieler Vladimir Darida.