Gegner
Hannovers Hoffnung lebt weiter

Der erste Sieg seit Anfang Februar wirkte belebend auf 96. Trainer Doll setzt im fast schon hoffnungslosen Kampf um den Klassenverbleib auf den Teamgeist: „Die Mannschaft ist zusammengewachsen.

Die Erlösung kam spät, höchstwahrscheinlich zu spät für Hannover 96. Das 1:0 gegen Mainz am 31. Spieltag war der erste Sieg seit dem 9. Februar, neun Partien lang haben die Niedersachsen auf drei Punkte gewartet. „Ich kann es nicht in Wort fassen, dieses Gefühl, wieder ein Spiel gewonnen zu haben“, sagte Kapitän Marvin Bakalorz. Trainer Thomas Doll sprach von einem „Lebenszeichen“, von einem Erfolg, „der Mut und Zuversicht gibt. Der Sieg tat der Seele gut.“ Allerdings sind die Chancen, dass die Niedersachsen doch noch den direkten Abstieg verhindern können, sehr gering.

Es kommt nicht häufig vor, dass eine Mannschaft, die drei Spieltage vor Saisonende erst 18 Punkte gesammelt hat, zumindest noch rein theoretisch die Relegation erreichen kann. Sechs Punkte ist der Tabellen-16. VfB Stuttgart voraus. „Die Hoffnung lebt weiter“, bekräftigt Doll dennoch. Der 57-Jährige hatte bei Hannover Ende Januar den Posten des Cheftrainers angetreten – als Nachfolger von André Breitenreiter. Der war nach zwei Jahren, in denen er mit den Niedersachsen zurück in die Bundesliga gekehrt war und ihnen anschließend den Klassenverbleib gesichert hatte, entlassen worden. Die Mannschaft hatte gerade 1:5 gegen den damaligen Tabellenführer Dortmund verloren und lag auf dem vorletzten Tabellenplatz, mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang.

Bergauf wie erhofft ging es aber auch mit Doll nicht. Ein Sieg gegen den Mitabstiegskandidaten Nürnberg in seiner zweiten Partie nährte kurze Hoffnung, aber dann reihte sich eine Enttäuschung an die andere. Nach Breitenreiter musste Anfang April auch noch Manager Horst Heldt gehen. Ihm wurde zu Last gelegt, keinen bundesligatauglichen Kader zusammengestellt zu haben. Heldt trage die Hauptverantwortung für „diese sportlich wie wirtschaftlich desaströse Saison“, fand Klub-Boss Martin Kind. 

Die Mannschaft ist zusammengewachsen, und ich traue meinen Jungs eine Überraschung zu.

Kapitän Marvin Bakalorz

Tatsächlich hatten im vergangenen Sommer Leistungsträger wie Martin Harnik oder Salif Sané den Klub verlassen. Der von Stoke City ausgeliehene Kevin Wimmer sowie Bobby Wood und Walace, die gerade mit dem Hamburger SV abgestiegen waren, sollten die Lücke schließen. Immerhin war es gelungen, den umworbenen Stürmer Niclas Füllkrug zu halten, der mit seinen 14 Treffern einen großen Anteil am Klassenverbleib in der Aufstiegssaison hatte. Allerdings konnten die Neuzugänge die hohen Erwartungen nicht erfüllen und Füllkrug fehlte die gesamte Rückrunde wegen einer Knie-Operation.

Für Doll ist das Ende der Negativserie gegen Mainz aber eine logische Entwicklung, er sieht bei seinem Team einen Aufwärtstrend. „Die Mannschaft ist zusammengewachsen, und ich traue meinen Jungs eine Überraschung zu“, sagte der 96-Trainer. Kapitän Bakalorz, der in München nach der fünften Gelben Karte fehlt, gibt den Kollegen den Rat: „Reinschmeißen und das Beste dabei rauszuholen.“ Bei einer Niederlage in München und einem Punktgewinn von Stuttgart bei Hertha BSC wäre der Abstieg der Niedersachsen allerdings bereits perfekt. Damit mag sich in Hannover jedoch niemand beschäftigen vor der Reise in den Süden. „Wir denken daran, was noch möglich ist“, sagt Doll. „Alles andere bremst."