Gegner
Neues System, alte Schwäche

Mönchengladbach setzt zum ersten Mal seit sieben Jahren in Alassane Pléa wieder auf einen richtigen Mittelstürmer. Nur die schlechte Auswärtsbilanz bleibt.

Der Ärger bei Dieter Hecking hielt sich in Grenzen beim Blick auf die Tabelle. „Das sieht nicht so schlecht aus“, sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach: „Wenn wir nächste Woche immer noch unter den ersten Vier sind, wäre mit das recht.“ Seine Mannschaft hatte allerdings kurz zuvor einen Sieg verschenkt. Zweimal gingen die Gladbacher beim VfL Wolfsburg in Führung und kassierten zweimal nach einem haarsträubenden Fehler den Ausgleich. „Gefühlt war da mehr drin“, sagte Nationalspieler Matthias Ginter.

Allerdings ist es die Mannschaft vom Niederrhein ja schon gewohnt, dass auf des Gegners Platz für sie kaum etwas zu holen ist. Die Gladbacher warten seit sieben Monaten auf einen Sieg in der Fremde. Hecking ist mit der Entwicklung dennoch zufrieden. „Unser Auftaktprogramm war anspruchsvoll. Wir hatten drei unbequeme Auswärtsspiele in Augsburg, Berlin und Wolfsburg.“

Das positive Zwischenfazit des Trainers hat zum einen mit den drei gewonnenen Heimspielen zu tun, zum anderen mit Alassane Pléa. Der Stürmer war vor der Saison von Nizza an den Niederrhein gewechselt. Er füllt eine Lücke, die einst Trainer Lucien Favre bei Gladbach geschaffen hat und die seine Nachfolger stets übernommen hatten. Der Franzose ist Mittelstürmer, eine echte Neun, die gab es seit 2011 nicht mehr. Favre bevorzugte einst den stürmenden Spielmacher oder, wie Sportdirektor Max Eberl sagte, „den schwimmenden Stürmer“, und bei diesem 4-4-2-System blieb es auch unter André Schubert und bisher unter Hecking, der aber am Ende der vergangenen Saison festgestellt hat, dass sich der Stil mit den verschiedenen Stürmer-Typen abgenutzt habe. „Wir sind ausrechenbar geworden“, sagte der 54-Jährige. Deshalb sei der Gedanke gereift, „eine neue Spielstratege reinzubringen“. Eigentlich wollten die Gladbacher den 25-jährigen Niclas Füllkrug von Hannover 96 holen, aber der bekam keine Freigabe, also schauten sie sich in Europa um – und fanden in Südfrankreich den gleichaltrigen Pléa, der zwar für mehr Geld nach England hätte gehen können, sich aber für die Bundesliga entschied, auch weil ihm sein ehemaliger Trainer und jetzige Coach von Borussia Dortmund dazu riet. „Ich habe mich für Borussia entschieden, weil es der erste Club war, der sich ernsthaft mit mir beschäftigt hat. Lucien Favre hat mir gesagt, dass Borussia ein Verein ist, bei dem ich den nächsten Schritt machen kann“, sagte Pléa bei der Vorstellung. Eberl begründete die Verpflichtung, für den die Gladbacher mit rund 20 Millionen Euro so viel bezahlt haben wie für keinen anderen Spieler in der Vereinshistorie, unter anderem mit dessen Vielseitigkeit. „Alassane ist unsere Ideallösung, er passt menschlich zu uns und sportlich zu dem Fußball, den wir spielen wollen“, sagte der Sportdirektor.  

Das Ziel war es, mit Pléa das starre System aufzubrechen. „Wenn man einen Stoßstürmer holt, dann weiß man, dass damit auch ein Systemwechsel einhergehen kann“, sagte Hecking, der vor der Saison die verschiedenen Möglichkeiten durchspielte: Dreierkette, 4-3-3 oder doch wie bisher 4-2-2 – entschied sich zunächst einmal schließlich für die Variante mit den drei offensiven Spielern. Pléa erwies sich als Glücksgriff. Gegen Leverkusen und Augsburg saß er zunächst noch auf der Bank, seit dem dritten Spieltag ist er aus der Startelf aber nicht mehr wegzudenken. Vier Tore erzielte er in sechs Partien und heimste Lob von allen Seiten ein. Pléa sei einer, sagt Hecking, „der nicht lange überlegt und einfach draufhaut“. Teamkollege Thorgan Hazard traut dem Franzosen zu, „Gladbachs herausragender Torschütze zu werden“, unter anderem weil er, wie Christoph Kramer feststellte, „aus dem Nichts Tore macht“.

Dass sich das Blatt schnell wenden kann, hat Pléa gegen Wolfsburg am vergangenen Spieltag feststellen müssen. Nur fünf Minuten nach seinem sehenswerten Treffer zum 1:0 misslang ihm ein Querpass, er spielte den Ball dem Gegenspieler Renato Steffen in die Füße und das führte zum Ausgleich. Pléa nahm seinen Fauxpas mit Gelassenheit: „So ist Fußball.“

Alassane ist unsere Ideallösung, er passt menschlich zu uns und sportlich zu dem Fußball, den wir spielen wollen.

Sportdirektor Max Eberl

Und auch Philipp Max, der Sohn des ehemaligen Torschützenkönig Martin Max, will zeigen, „dass wir kein ganz kleiner Klub mehr sind“. Er ist sicher: „Wir können eine richtig gute Saison spielen. Es fruchtet, was wir machen.“ Ihrem Spielstil sind die Schwaben treu geblieben, wieder setzen sie auf Pressing und schnelles Umschalten, das Baum, wie er sagt, „flexibel und in verschiedenen Grundordnungen“ umsetzen will.

Noch nie war der FC Augsburg besser in die Bundesliga gestartet als dieses Mal. Zwar zitterte sich die Mannschaft im DFB-Pokal beim Regionalligisten TSV Steinbach-Hager in die zweite Runde, aber nach dem Sieg gegen Aufsteiger Düsseldorf und dem Remis gegen Mönchengladbach waren die Schwaben voller Selbstvertrauen. Der Österreicher Michael Gregoritsch sprach von einer „Weltklasse-Truppe auf dem Platz und in der Kabine“. Die Augsburger hatten so viele Punkte wie der BVB, außerdem die Gewissheit, gegen Gladbach die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Und die wirtschaftlichen Zahlen stimmen auch: Der Club hat etwas mehr als 10 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erwirtschaftet im abgelaufenen Geschäftsjahr, so viel wie noch nie. Nur die Niederlagen gegen Mainz und Bremen trübten die Stimmung etwas. „Wir halten zusammen, wenn es schwierig wird“, sagte Reuter vor der Partie in München.