Gegner
Breisgauer Familientradition im Aufwärtstrend

Freiburg hat sich nach schwachem Start etabliert und würde am liebsten dem FC Bayern Konkurrenz machen. Nur das jüngste Pokal-Aus gegen Zweitligist Kiel schmerzt.

Der SC Freiburg hat geschafft, was sonst keinem Bundesliga-Club gelungen ist. Das klingt allerdings viel besser, als es ist, und genau genommen handelte es sich um eine kleine Blamage. Die Breisgauer schieden in der zweiten Pokalrunde aus und sind damit als einziger Verein an einem unterklassigeren Gegner gescheitert – und blieben damit im Trend: Dreimal in den vergangenen vier Jahren schied der Sport-Club so früh im Pokal aus. „Wir waren einfach nicht gut genug“, sagte Trainer Christian Streich nach dem 1:2 gegen den Zweitligisten Holstein Kiel, der vom ehemaligen Nachwuchstrainer des FC Bayern, Tim Walter, betreut wird. Konkret bedeutete dies: „Nicht zweikampfstark genug, nicht präzise genug“, kritisierte der dienstälteste Bundesliga-Trainer. „Wenn du die erste Halbzeit so weggibst, verliest du verdient.“ Dabei hatten die Freiburger mit Nils Petersens Elfmetertor in der ersten Minute früh die Weichen gestellt, aber gaben dann die Partie aus der Hand. Dass der beste deutsche Torjäger der vergangenen Saison die Reise von Schleswig-Holstein zu seinem Ex-Verein nach München nicht mitmachte, sondern wegen einer Muskelverhärtung zur Untersuchung zurück nach Freiburg flog, ist für das nun vielleicht etwas angeknackste Selbstvertrauen der Breisgauer nicht unbedingt optimal. Andererseits weiß der Sport-Club stets sehr gut mit Schwankungen umzugehen. „Wir haben es versaubeutelt“, sagte Petersen: „Aber wir können das ganz gut einordnen.“

Wir haben es versaubeutelt, aber wir können das ganz gut einordnen.

Nils Petersen

So wie die Ergebnisse zuvor in der Bundesliga eben auch. Eigentlich wie alle Höhen und Tiefen, die Freiburg regelmäßig erlebt. Wie vor jeder Saison war der SCF bescheiden gestartet. „Am liebsten würde ich Bayern Konkurrenz machen“, sagte Streich, als er im Sommer nach den Zielen gefragt wurde. „Aber das ist ausgeschlossen. Natürlich wollen wir in der Liga bleiben.“ Dies stehe „über allem“. Fast immer, wenn Freiburg wichtige Leistungsträger halten konnte, wurde das Ziel locker erreicht. 2013 und 2017 endete das Spieljahr sogar mit der Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. Als der Sport-Club am Ende der vergangenen Saison mitten im Abstiegskampf steckte, haben Profis wie Petersen und Christian Günter mit der ligaunabhängigen Verlängerung ihrer Verträge ein Zeichen gesetzt. Es sei wichtig, „dass die Jungs bleiben“, sagte Streich. „Das zeigt den Stellenwert des Vereins und dass sie sich gut fühlen.“ Den SCF zeichnet von jeher eine familiäre Atmosphäre aus, ein in dieser Branche nicht selbstverständlicher Zusammenhalt. „Das habe ich so in dieser Form noch nie erlebt“, sagte der Ex-Bremer Jerome Gondorf, der wie Dominique Heinz (vom 1. FC Köln) und Luca Waldschmidt (Hamburger SV) in den Breisgau gekommen ist. „Menschlich sind alle auf einer Wellenlänge. Die Jungs sind wie Brüder.“

Aber wie einer Familie läuft auch bei Freiburg nicht immer alles rund. Streich musste wegen eines Rückenleidens zu Beginn der Saison passen, übergab die Geschäfte vorübergehend seinem Assistenten Lars Voßler – und prompt ging der Start daneben. Der Sport-Club verlor gegen Frankfurt und Hoffenheim, aber nach der Rückkehr des Chefs zeigten die Breisgauer einen starken Aufwärtstrend. Von den vergangenen sieben Partien ging nur eine verloren (1:4 beim FC Augsburg). Mit dem 3:1 zuletzt gegen Borussia Mönchengladbach festigte der Sport-Club seine Position im Mittelfeld der Tabelle. Streich fand die Leistung seiner Mannschaft fast perfekt, zumal der Gegner nach acht Spieltagen auf dem zweiten Platz hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund lag. „Das war extrem leidenschaftlich und für uns absolut an der Kante“, sagte Freiburgs Trainer. Dass sein Team mit dem überraschenden Erfolg nicht umgehen konnte, sieht Streich nicht: „Wir haben nicht viele Spieler, bei denen ich Bedenken hätte" „Wir haben gesehen, dass es auch gegen Top-Teams geht.“  Im Moment offenbar sogar besser als gegen einen Zweitligisten.