Gegner
Eintracht: Müde im Kopf und viele Emotionen

Eintracht Frankfurt kämpft am Ende einer begeisternden, aber auch strapaziösen Spielzeit um einen Platz im internationalen Geschäft. Für Sportvorstand Fredi Bobic ist es trotzdem schon jetzt „eine überragende Saison“.

Nein, der Schlussspurt in der Bundesliga ist seit ein paar Jahren nicht das Ding von Eintracht Frankfurt. Zum dritten Mal in Serie geht den Hessen die Luft aus. Das 0:2 am vorletzten Spieltag gegen den Lokalrivalen Mainz 05 war bereits die fünfte Partie ohne Sieg. Trainer Adi Hütter fand die Niederlage „sehr, sehr ärgerlich“, weil seine Mannschaft „eine große Chance“ vergeben habe. Mit einem Sieg hätte sich die Eintracht die Qualifikation für die Europa League gesichert und sich eine bessere Ausgangsposition im Kampf um die Champions League verschafft. Es wäre der erstmalige Einzug der Hessen in Europas Eliteliga. Beides ist noch möglich, aber eben auch, dass Frankfurt in der kommenden Saison in gar keinem internationalen Wettbewerb vertreten ist. Sollte Mainz gegen Hoffenheim punkten, kann sich Hütters Team eine Niederlage beim FC Bayern erlauben. Wenn aber sowohl Hoffenheim als auch Wolfsburg gewinnen, muss auch die Eintracht mindestens ein Unentschieden holen. „Endspiele können wir“, sagte Marketing-Vorstand Axel Hellmann mit Blick auf das gewonnene Pokalfinale vor einem Jahr gegen den FC Bayern.


Erklärungen für die Schwächephase in der Bundesliga gibt es: Das für eine Mannschaft wie die Eintracht ungewohnte Mammutprogramm mit der Doppelbelastung Bundesliga und Europa League. Durch das Erreichen des Halbfinales im internationalen Wettbewerb haben die Hessen viel mehr Partien bestritten als in den vergangenen beiden Jahren, als sie im Endspiel um den DFB-Pokal gestanden waren. Sportvorstand Fredi Bobic glaubt, „wenn wir die zwei Chelsea-Spiele nicht gehabt hätten, wären wir schon lange für die Champions League qualifiziert“.

Egal, was rauskommt: Das ist eine überragende Saison.

Sportvorstand Fredi Bobic

Die Nacht von London, das umkämpfte Rückspiel im Europa League-Halbfinale gegen Chelsea mit dem bitteren Ende im Elfmeterschießen, hat aber nicht nur körperliche Spuren hinterlassen bei den Frankfurtern, sondern auch mental. Er müsse versuchen, sagte Hütter vor dem Ausflug nach München, „meine Spieler im Kopf frisch zu bekommen“. So frisch, wie sie bis Anfang April waren, als die Eintracht noch mit vier Punkten Vorsprung auf einem Champions League-Platz lag, so frisch, wie sie sich in der Europa League präsentierten, dort in die Runde der letzten Vier stürmten und mit viel Pech das Finale in Baku verpassten. „Egal, was rauskommt“, findet Bobic, „das ist eine überragende Saison.“


Die Saison hatte nicht gut begonnen. Hütter musste als Nachfolger von Cheftrainer Niko Kovac den Abgang wichtiger Führungsspieler wie Kevin-Prince Boateng, Lukas Hradecky oder Marius Wolf kompensieren und eine neue Hierarchie installieren. Nebenbei wollte er den Spielstil modifizieren. „Ich stehe für offensiven Fußball, weil ich der Meinung bin, dass die Leute ins Stadion kommen, um eine Mannschaft zu sehen, die versucht, begeisternden Fußball zu spielen“, sagte der Österreicher. Er war sicher, dass es nicht allzu lange dauern wird, bis sein Team seine Vorstellungen verinnerlicht habe. Die Generalprobe für den Bundesliga-Auftakt ging gründlich daneben, im Supercup verlor der Pokalsieger gegen den FC Bayern 0:5. Der Meister, sagte Hütter anschließend, habe seiner Mannschaft „den Zahn gezogen“. Nur ein paar Tage später gab es den nächsten schmerzhaften Eingriff. Der Titelverteidiger scheiterte bereits in der ersten Runde des DFB-Pokals am Regionalligisten SSV Ulm. Nach den beiden unangenehmen Zahnarztbesuchen hoffte Hütter, dass diese vielleicht „ zum richtigen Zeitpunkt ein Schuss vor den Bug“ gewesen seien. Tatsächlich erholte sich die Eintracht schnell, legte im Herbst eine Erfolgsserie mit elf Spielen ohne Niederlage in der Bundesliga und Europa League hin und avancierte zu einem Kandidaten für einen internationalen Wettbewerb.