Gegner
Ein bisschen wie auf der Insel

Seit Uwe Rösler bei Fortuna auf der Trainerbank sitzt, wird in Düsseldorf nicht nur manchmal englisch gesprochen, sondern auch britisch Fußball gespielt.

Wenn der langerwarte Sieg endlich gelingt, ist es Erlösung und Befreiung zugleich. Mit dem 2:1 gegen den FC Schalke 04 am vergangenen Spieltag rückte Fortuna Düsseldorf etwas näher heran an die vor ihr platzierten Mannschaften und damit an jene Zone in der Tabelle, die den direkten Klassenerhalt bedeutet. „Wir sind ready for fight und wir werden fighten ohne Ende“, sagte Trainer Uwe Rösler, um im Jahr des 125-jährigen Vereinsjubiläums erstmals in diesem Jahrtausend zweimal hintereinander den Abstieg aus der Bundesliga zu vermeiden.

Es war ein Abend der Premieren für die Fortuna: Erster Heimsieg für Rösler als Chefcoach in Düsseldorf und erstes Tor für Rouwen Hennings in diesem Jahr. Der Stürmer hatte eine glänzende Hinrunde gespielt und elf Mal getroffen, nach der Winterpause aber eben gar nicht mehr bis zur Partie gegen Schalke. Als „enorm wichtig für die Moral“ bezeichnet Hennings die drei Punkte sowie die Tatsache, dass die Rheinländer „mal einen Rückstand gedreht und dann auch das Ergebnis über die Zeit gebracht haben“. Denn genau das war zuletzt das Problem der Düsseldorfer. Gegen Köln hatte es nach einer 2:0-Führung nur zu einem 2:2 gereicht, gegen Hertha verspielten sie sogar ein 3:0. Rösler war deshalb in der Schlussphase in Gedanken bei diesen Spielen. Aber dieses Mal, fand er, „haben wir Fußball gelebt“. Er sieht nun sein Team auch in München nicht chancenlos. „Mit unserem Willen und Moral können wir es auch den Bayern schwer machen“, ist der frühere Profi sicher.

Mit unserem Willen und Moral können wir es auch den Bayern schwer machen.

Trainer Uwe Rösler

Röslers Hoffnung nährt sich aus der Entwicklung der Mannschaft. Als der 51-Jährige Ende Januar die Nachfolge von Friedhelm Funkel antrat, lag die Fortuna mit 15 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Nur eine der zehn Bundesliga-Partien unter seiner Regie ging verloren, aber es gab eben auch nur zwei Siege. „Mit dem Fußball, den wir seit einigen Spieltagen zeigen, bin ich mir sicher, dass wir im nächsten Jahr auch Bundesliga spielen“, gibt sich auch Kenan Karaman zuversichtlich. Der Stürmer hatte gegen Schalke den Siegtreffer erzielt.

Rösler hat 13 Jahre als Spieler und Trainer in England verbracht. Er lässt gerne englisches Vokabular in seine Ansprachen und Analysen einfließen. Die Balance, sagte er neulich, zwischen „Attack und Defense“ müsse noch besser werden. Aber vor allem hat er versucht, der Fortuna einen britischen Spielstil zu verpassen. Sie ist stabiler geworden und spielt forsches Gegenpressing. „Mit Uwe ist jetzt ein ganz anderer Zug in der Mannschaft, unsere Spielweise ist variabler, offensiver und aggressiver“, findet Lutz Pfannenstiel, für den die Partie in der Allianz Arena die letzte als Düsseldorfer Sportvorstand ist – der 47-Jährige hatte im Februar um die Auflösung seines Vertrags zum Saisonende gebeten, das war damals auf den 31. Mai datiert worden. Seinen Posten übernimmt ab Montag der bisherige Kaderplaner Uwe Klein.