Gegner
Düsseldorf am liebsten „sperrig und eklig“

Mit mehr Laufarbeit und Trainer-Routinier Friedhelm Funkel will Fortuna die Klasse halten. Zuletzt gelang mit dem zweiten Saisonsieg der erhoffte Befreiungsschlag.

Es hätte Anfang November gleich so weitergehen können bei Fortuna Düsseldorf, nach dem zweiten Sieg in dieser Bundesliga-Saison. Aber dem Aufsteiger kam die Länderspielpause ganz gelegen. Man könne daran arbeiten, „in der Verfassung zu bleiben oder sie noch zu verbessern“, sagte Trainer Friedhelm Funkel nach dem 4:1 gegen Hertha BSC. Die Statistik weist dieses Ergebnis als höchsten Bundesligasieg seit sechs Jahren aus, seit einem 4:0 gegen Frankfurt Ende November 2012. Allerdings hatte die Fortuna auch nicht mehr so viele Gelegenheiten, die Marke zu toppen. Sie war ein paar Monate nach dem hohen Sieg über die Hessen aus der Bundesliga abgestiegen und kehrte erst in diesem Sommer zurück in die Erstklassigkeit.

Der Sieg gegen die so stark in die Saison gestarteten Berliner sei „Balsam“, befand Torhüter Michael Rensing. „Das befreit einfach und tut gut“, sagte Sportvorstand Erich Rutemöller. Dass die Fans auf den Rängen nach Abpfiff schon von einem Triumph gegen den nächsten Gegner FC Bayern sangen, liege für ihn an der rheinischen Mentalität. Es sei gut, „dass man nicht ständig frustriert auf die Tabelle guckt“. Die Erfolgserlebnis waren bis dahin überschaubar gewesen: Das 2:1 am dritten Spieltag gegen Hoffenheim, der Einzug ins Pokal-Achtelfinale sowie das Unentschieden in Leipzig. Doch nun gingen die Düsseldorfer nicht mehr als Tabellenletzter (gemeinsam mit Stuttgart) in die Länderspielpause, sondern als Vorletzter. „Wir haben uns den Frust von der Seele geschossen“, sagte Linksverteidiger Niko Gießelmann. Trotz der sportlich schwierigen Phase herrschte in den Wochen vor dem Sieg über Hertha Ruhe im Verein. Für Funkel, mit 64 Jahren der älteste Bundesliga-Trainer, war dies eine neue Erfahrung. „Ich spüre zu 100 Prozent Vertrauen. Das habe ich auch schon anders erlebt“, sagte er. Die Spieler sehen dies ähnlich. Man müsse dem Verein ein Kompliment machen, „weil es in den vergangenen Wochen nie Kritik an uns Spielern gegeben hat“, sagte Jean Zimmer. Dadurch habe man zurück in die Spur finden können.

„Wir müssen mehr investieren als unsere Gegner, mehr laufen, dürfen aber nicht zu respektvoll sein.“

Friedhelm Funkel

Funkel hatte sich nach dem Aufstieg im Mai einen Plan zurechtgelegt, wie die Fortuna in der Bundesliga bestehen könne. „Wir müssen mehr investieren als unsere Gegner, mehr laufen, dürfen aber nicht zu respektvoll sein“, sagte er im Sommer. Bei überlegenen Gegnern wie den Bayern käme es zudem darauf an, gut zu verteidigen, „das heißt aber nicht, dass wir den Bus im eigenen Strafraum parken. Wir müssen Ballbesitzphasen haben und effektiv spielen.“ Allerdings kann Funkel dabei am Samstag nicht auf die Unterstützung zweier wichtiger Defensivspieler setzen: Marcel Sobottka (Patellasehnenreizung) und André Hoffmann (Gehirnerschütterung) fallen noch aus. Außerdem fehlt Diego Contento nach seinem im September erlittenen Kreuzbandriss. Der 28-Jährige verpasst somit – zumindest auf dem Platz – das Wiedersehen mit den ehemaligen Kollegen, im Gegensatz zu den beiden anderen Ex-Münchnern Michael Rensing und Takashi Usami, der mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Berlin den Sieg eingeleitet hatte. „Das war der Moment, der alles verändert hat“, sagte Benito Raman, anschließend Doppeltorschütze in dem Spiel.

Auf solch besondere Momente sind die Düsseldorfer angewiesen. Der Lizenzspieler-Etat wurde nach dem Aufstieg zwar mehr als verdoppelt, die Fortuna gehört damit aber immer noch zu den sparsamsten Klubs der Liga – und musste bei der Zusammenstellung des Bundesliga-Kaders einfallsreich sein. Contento war der prominenteste und erfahrenste Zugang in dieser Saison. Ansonsten bemühten sich die Rheinländer vor allem um junge Spieler, denen Funkel beizubringen versucht, „ein ekliger Gegner zu sein, nicht unfair, aber sperrig“. Gegen Berlin hat es funktioniert.