Gegner
Wieder risikobereit

Dortmund hat die Meisterschaft als Saisonziel ausgegeben, aber geriet nach schwächeren Auftritten in die Kritik. Die erste kleine Formkrise scheint nach einem magischen Champion League-Auftritt überwunden.

Am Ende eines spektakulären Abends ließ sich der Mann des Spiels feiern. Achraf Hakimi hatte zwei Tore für Borussia Dortmund erzielt und damit gegen Inter Mailand für die Wende gesorgt. Endgültig niemand sprach mehr davon, dass sich der Titelaspirant aus Westfalen in einer Formkrise befinden würde. Dieses 3:2 nach 0:2-Rückstand, das lässt sich nicht so leicht abschütteln – im positiven Sinne natürlich. „Das gibt uns auch ein bisschen Rückenwind für Samstag", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und ließ wissen: „Wir sind bereit“. Wie vor dem ersten Duell mit dem FC Bayern in der vergangenen Saison, haben die Westfalen die Nase in der Tabelle vorne, allerdings ging es nicht so locker und leicht wie vor einem Jahr.  

„Es war eine schwere Phase und jetzt geht es besser“, sagt Trainer Lucien Favre – und eine schwere Phase auch für ihn, weshalb Sportdirektor Michael Zorc nach dem Sieg gegen Inter seinen Coach und dessen Arbeit in den höchsten Tönen lobte. „Ich finde es sehr gut, wie er das macht und Dinge von den Spielern einfordert", sagte er – und die Kritik, Favre sei zu defensiv und zu wenig emotional, entkräftete er auch gleich. „Ich finde ihn schon sehr lebhaft und kämpferisch.“

Ich finde es sehr gut, wie er das macht und Dinge von den Spielern einfordert.

Sportdirektor Michael Zorc

Die Dortmunder waren mit dem klaren Ziel in die Saison gestartet, Meistertitel und Pokal zu gewinnen. Eine Konsequenz aus der vergangenen Saison, als sie trotz beachtlichem Vorsprung in der Tabelle vor dem Wort Meisterschaft so viel Angst zu haben schienen wie das Kaninchen vor der Schlange und die Aussicht auf die Schale sie lähmte. Dieses Mal ging der BVB in die Offensive, nur Favre blieb ein bisschen vorsichtig. Man wolle „noch ein Stück zulegen“ und „um den Meistertitel mitspielen“, sagte er im Sommer.  

Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl bemerkte eine „Euphorie im Umfeld“ nach der wohl überlegten Einkaufstour vor der Saison. Aus Leverkusen kam in Julian Brandt einer der künftigen Leistungsträger der Nationalmannschaft, von Hoffenheim Nico Schulz, aus Gladbach Thorgan Hazard – und am Ende behob der BVB auch noch die Schwachstelle in der Abwehr mit der Rückholaktion von Mats Hummels. „Wir haben gute Transfers getätigt“, sagte Kapitän Marco Reus. „Es muss daher unser Ziel sein, in diesem Jahr ganz oben zu stehen – in der Liga und im Pokal.

Die Saison begann mit zwei überzeugenden Siegen gegen Augsburg und Köln, ehe im Duell mit Aufsteiger Union Berlin der erste Rückschlag folgte – eine 1:3-Niederlage. Nachdem die Dortmunder gegen Frankfurt, Freiburg und Bremen jeweils geführt hatten, aber am Ende nur Unentschieden herausgesprungen waren, gab es erste Kritik. „Wir treten auf der Stelle. Mit der Leistung aktuell können wir nicht um den Titel mitspielen", stellte Zorc fest. Fast identisch waren die Spielabläufe: in der ersten Hälfte dominant und siegessicher, in der zweiten Hälfte zaudernd und zweifelnd. Nicht besser war das Derby gegen den Erzrivalen Schalke, es endete 0:0 – aber es schien auch so etwas wie der vorläufige Schlusspunkt der Herbstkrise des BVB gewesen zu sein. Anschließend gab es ein 2:1 im DFB-Pokal gegen Bundesliga-Tabellenführer Mönchengladbach sowie ein 3:0 gegen die bis dahin noch ungeschlagenen Wolfsburger. Anders als zuvor drehten die Dortmunder nun plötzlich nach der Pause mächtig auf. Die Champions League-Partie unter der Woche war die dritte in Serie, in der die Mannschaft das Spiel in der zweiten Hälfte für sich entschied.