Clásico
FCB gegen BVB – Deutschlands Clásico

Zum 101. Mal trifft der FC Bayern am Samstagabend in der Bundesliga auf Borussia Dortmund. Damit ist die Partie eines der häufigsten Duelle in der BL-Geschichte. Doch seit den 1990er Jahren wurde aus einem Klassiker mehr und mehr der deutsche Clásico. Ein Spiel also, in dem es nicht nur um jede Menge Prestige geht, sondern auch um die Vormachtstellung im deutschen Fußball.

Meister unter sich

In den vergangenen 26 Spielzeiten (seit 1993/94) gewannen nur zwei Teams mehr als eine Deutsche Meisterschaft: Bayern und Dortmund. Zusammen holten sie 22 Titel, Bayern 17, Dortmund fünf. Seit 2009, als Wolfsburg Meister wurde, ging die Meisterschale immer entweder nach München (9 Mal) oder Dortmund (2 Mal).

Die Welt schaut zu

Nicht nur in Deutschland, weltweit zieht die Partie zwischen FCB und BVB Fußballfans in ihren Bann. Seit vielen Jahren wird die Partie regelmäßig in über 200 Länder live übertragen, zuletzt auch im August, als beide Klubs im DFL Supercup aufeinandertrafen.

Clásico-Geschichten

Einige der inzwischen 100 Duelle zwischen Bayern und Dortmund haben sich ganz besonders ins kollektive Gedächtnis des deutschen Fußballs eingeprägt:

November 2002: Nicht gerade zimperlich gingen beide Teams beim Aufeinandertreffen im Münchner Olympiastadion zu Werke. Meister und Tabellenzweiter Dortmund verlor zunächst Torsten Frings mit Gelb-Rot – dann musste auch Keeper Jens Lehmann mit Gelb-Rot vom Platz. Dank Roque Santa und Claudio Pizarro führten die Bayern zu diesem Zeitpunkt mit 2:1, BVB-Torschütze Jan Koller übernahm nun ab der 67. Minute den leeren Platz im BVB-Tor. Er hielt seinen Kasten sauber und schaffte es sogar in die Elf des Tages beim „kicker“ – als Torwart.

April 2001: Bis heute in der Bundesliga unübertroffen sind die 13 Karten, die Schiedsrichter Hartmut Strampe in Dortmund zückte. Binnen 90 Minuten hagelte es in einem hitzigen Duell drei Platzverweise (Rot für Effenberg und Evanilson / Gelb-Rot für Lizarazu) und zehn Gelbe Karten. Am Ende klatschte ein Rosicky-Freistoß vom Lattenkreuz direkt in die Arme von Oliver Kahn – nach Toren blieb es so beim 1:1.

April 1999: Die Bayern wollten einen großen Schritt Richtung Meisterschaft machen, lagen aber schnell mit 0:2 hinten – da rüttelte Oliver Kahn seine Mannschaft auf unorthodoxe Art und Weise wach: Erst „knabberte“ er am Hals Heiko Herrlich, dann flog er in Kung-Fu-Manier mit gestrecktem Bein auf Stephane Chapuisat zu. Am Ende stand es 2:2.

April 1997: Sportlich war die Partie in Dortmund, ein mageres 1:1, schnell abgehakt, legendär wurde allerdings die „Heulsusen“-Geste von FCB-Kapitän Lothar Matthäus gegenüber BVB-Regisseur Andreas Möller.

August 1986: BVB-Stürmer Frank Mill lief im Olympiastadion ganz allein auf das Münchner Tor zu – und schoss den Ball an den Pfosten! Die Partie endete 2:2.

November 1971: Vier Mal Gerd Müller, je zwei Mal Uli Hoeneß und „Bulle“ Roth sowie Treffer von Willi Hoffmann, Franz Beckenbauer und Paul Breitner – das 11:1 gegen Borussia Dortmund im Grünwalder Stadion ist der bis heute höchste Bundesliga-Sieg des FC Bayern.