Gegner
Endlich variabler und attraktiver

Hertha BSC gelingt es immer besser, Ergebnisse nicht mehr nur zu verwalten. Mit „positivem Druck“ umzugehen, müssen die Berliner allerdings noch lernen und erleben deshalb immer wieder einmal Rückschläge.

Alles sah nach dem erhofften Heimsieg aus, dem ersten für Hertha BSC seit Anfang Dezember, aber dann schaffte es Claudio Pizarro doch noch, den Berlinern die Laune zu verderben mit seinem Treffer zum Ausgleich in der Nachspielzeit. „Das ist schon ein ziemlicher Rückschlag“, gab Stürmer Davie Selke nach dem 1:1 gegen Werder Bremen zu. Die Gastgeber hatten den Gegner nach der Führung im Griff und selbst zweimal Pech, als die Schüsse nur Pfosten und Latte trafen. „Es gibt Tage, da gehen diese Dinger rein und es gibt solche Tage, da wollen sie nicht rein“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai. Und der Freistoß des früheren Bayern-Stürmers Pizarro mitten durch die Beine der Berliner Spieler in der Mauer wollte im Gegensatz zu Herthas Versuchen rein. „Wir haben alles gegeben, und fangen uns dann so ein Ei. Unfassbar bitter“, meinte Selke. Dardai hatte am Tag des vergebenen Sieges aber schon das nächste Spiel, das gegen den FC Bayern im Kopf. Die Stimmung sei im Moment „noch nicht so gut, aber wir müssen das jetzt runterschlucken“, so der Coach.


In den beiden bisherigen Partien dieser Runde schafften es die Berliner jeweils, dem FC Bayern das Leben schwer zu machen. Im Hinspiel fügten sie dem Meister die erste Saisonniederlage zu (0:2), im Pokal-Achtelfinale Anfang des Monats retteten sie sich mit etwas Glück in die Verlängerung, in der die Gäste aus München dann den entscheidenden Treffer erzielten. „Du musst die richtige Balance finden, um gegen die Bayern etwas ausrichten zu können", sagte Manager Michael Preetz vor dem Ausflug in den Süden. Dort fehlen der Hertha der gelbgesperrte Stürmer Vedad Ibisevic sowie die angeschlagenen Marvin Plattenhardt (Adduktorenprobleme) und Jordan Torunarigha (Achillessehnenbeschwerden).


Acht Punkte holten die Berliner aus den ersten fünf Bundesliga-Spielen in der Rückrunde, die ja fast schon traditionell schlechter ausfällt als Teil eins der Saison. Letztmals sammelte der Club vor neun Jahren in der Rückrunde mehr Punkte als in der Hinrunde. Und auch in dieses Mal war die Ausbeute bisher ein bisschen geringer als erhofft, wenngleich es zwei Zähler mehr sind nach den ersten fünf Partien der Rückrunde als im Jahr davor. Immerhin gelang ein unerwarteter 3:0-Sieg bei Borussia Mönchengladbach, das zuvor zwölf Heimsiege in Serie errungen hatte. Aber wie so oft in der Vergangenheit verkrampfte die Mannschaft in der nächsten Partie wieder und schaffte gegen Bremen eben nur ein Unentschieden. Mit diesem „positiven Druck“, wie es Dardai beschreibt, kann die Mannschaft offenbar noch nicht richtig umgehen: „Das müssen wir lernen, wir arbeiten weiter daran.“

Wenn alles gut läuft, kann es eine wunderschöne Saison werden.

Pal Dardai

Die Berliner waren mit dem Vorhaben in die neue Saison gestartet, variabler aufzutreten und mutiger zu spielen, statt Ergebnisse zu verwalten. „Die defensive Stabilität“, stellte Preetz klar, dürfe dabei aber nicht aufgegeben worden. Mit einem Mix aus Routiniers und jungen spielstarken Talenten wie dem 20-jährigen Javairo Dilrosun (von Manchester City), dem gerade 19 gewordenen Dennis Jastrzembski (eigene Jugend), Stürmer Pascel Köpke, dem 23 Jahre alten Sohn von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, oder dem schon profierfahrenen Lukas Klünter (22/1. FC Köln) als Ersatz für den abgewanderten Mitchell Weiser sollte der nächste Entwicklungsschritt geschafft werden. „Wenn alles gut läuft, kann es eine wunderschöne Saison werden“, sagte Dardai im vergangenen Sommer. Mit jungen Spielern und erfahrenen Recken wie Ibisevic oder Duda hat es bisher ganz prima geklappt, einige Höhepunkte und ein paar Rückschläge wie jenes Last-Minute-1:1 gegen Bremen inklusive.