Gegner
Werder: Gereift Richtung Europa

Unter Florian Kohfeldt hat sich Bremen zu einem ernsthaften Eurocup-Kandidaten entwickelt und in diesem Jahr noch kein Pflichtspiel verloren.

Es gibt Spiele, die ein gutes Ende nehmen, aber der Trainer trotzdem froh ist, wenn sie vorbei sind. Florian Kohfeldt erging es so am vergangenen Spieltag gegen den SC Freiburg. Er habe Geduld mit sich haben müssen, sagte der Coach von Werder Bremen. Mit sich und seiner Mannschaft, die letztendlich verdient 2:0 gewann, aber erst eine Viertelstunde vor Schluss die Führung gelang. „Es war schon zäh“, gab Kohfeldt zu. So zäh, wie sie es in Bremen gar nicht mehr gewohnt sind. Seit 14 Pflichtspielen ist Werder unbesiegt und hat mit 46 Punkten sehr gute Chancen, sich für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren.

Bremen ist  nach schwierigen Jahren wieder ein Kandidat für Europa – dank Kohfeldt, wie viele seiner Vorgänger ein grün-weißes Eigengewächs. Der 36-jährige hatte als Torwart in der zweiten Werder-Mannschaft gespielt, wurde später Nachwuchstrainer, war Assistent von Viktor Skripnik und schließlich U23-Trainer, ehe er die Profis im Herbst 2017 übernommen hatte. Da stand Werder auf Tabellenplatz 17, am Ende im gesicherten Mittelfeld. In dieser Saison spielten die Norddeutschen eine gute Hinrunde und eine bisher noch bessere Rückrunde. In solchen Partien wie der gegen die ausnahmsweise sehr defensiv eingestellten Freiburger, sagt Kohfeldt, hätte sein Mannschaft vor der Winterpause „noch nicht die Lösungen“ gehabt. Sie hätten oft „richtig gut gespielt“, findet der Niederländer Davy Klaassen, „und hatten dann zu wenig Punkte“. 

Werder hat sich unter Kohfeldt ständig weiterentwickelt, spielt nun reifer und effektiver als zu Beginn der Saison. In der Offensive dreht sich fast alles um Max Kruse, der nicht nur Torjäger ist (zehn Treffer), sondern auch Vorbereiter und Gestalter. Ebenfalls einer der entscheidenden Spieler ist Klaassen. Der offensive Mittelfeldspieler, der im vergangenen Sommer vom FC Everton an die Weser gekommen war, ist derzeit der Mann für die wichtigen Tore. Gegen Freiburg sorgte er mit dem 1:0 für die Erlösung, zuvor hatte er im Pokal-Viertelfinale gegen Schalke getroffen und den wichtigen Ausgleich gegen Mönchengladbach erzielt. Dazu kommen die Eggestein-Brüder. Der eine, Johannes, spielt auf Rechtsaußen eine überzeugende Saison, der andere, Maximilian, hat mit guten Leistungen im Mittelfeld den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft.

Wir sind in einer guten Phase, es geht immer etwas.

Claudio Pizarro

Und da ist auch noch der nimmermüde Claudio Pizarro. Mit 40 Jahren ist er zwar nur noch als Teilzeitstürmer im Einsatz, aber noch immer sehr fit und genauso schlitzohrig wie früher beim FC Bayern. Der Peruaner freut sich auf die beiden Duelle mit dem Ex-Klub in der Bundesliga und vier Tage später im Pokal-Halbfinale. „Es ist schön für mich, nach München zu kommen. Aber wenn ich reinkomme, ist es vielleicht nicht so schön für sie“, sagte „Pizza“. „Wir sind in einer guten Phase, es geht immer etwas.“ Ein Grund für den Erfolg sieht Pizarro im Teamgeist. „Wir stehen hier in Bremen eng zusammen.“