Gegner
Leverkusen zähes Ringen um Konstanz

Trainer Peter Bosz hat bei Bayer Leverkusen die richtigen Spieler für seine Idee vom offensiven Ballbesitzfußball, aber noch nicht alles läuft perfekt.  Nach der Champions-League-Qualifikation in der Vorsaison hinken die Rheinländer in diesem Jahr den Erwartungen noch etwas hinterher.

Eigentlich spricht es nicht für eine Mannschaft, wenn der beste Torschütze gar nicht aus den eigenen Reihen kommt. Sieben Mal profitierte Bayer Leverkusen in dieser Saison bereits von einem Eigentor – und damit öfter als der erfolgreichste Stürmer der Mannschaft, Kevin Volland. „In dieser Dichte“, gibt Sportchef Rudi Völler zu, „habe ich das noch nicht erlebt.“ Aber es hat gerade eben nicht mit einer eigenen Angriffsschwäche zu tun. „Ich denke, dass wir das erzwingen“, sagte Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger nach dem 2:0-Sieg unter der Woche bei Lokomotive Moskau in der Champions League, als Rifat Schemaletdinow mit seinem Treffer ins eigene Netz den Bundesligisten in Führung gebracht hatte. Leverkusen hat mit dem Erfolg die Teilnahme an der Europa League zumindest sicher, aber sogar noch eine kleine Chance auf das Erreichen des Achtelfinales in der Königsklasse. Für Völler ist die hohe Quote an gegnerischen Torschützen ebenfalls „kein Zufall“, denn Trainer Peter Bosz habe es ja vorausgesagt: „Bei der Art und Weise, wie wir Eckbälle schießen oder Bälle von außen reinbringen, bleibt es nicht aus, dass auch das eine oder andere Eigentor fällt.“ Der Coach hatte am zweiten Sieg in der Königsklasse dennoch etwas auszusetzen. „Wir haben heute nicht unseren besten Fußball gespielt, wir hatten zu Beginn zu viele Ballverluste“, sagte er. Fürs Selbstvertrauen war der Sieg vier Tage vor dem Duell mit dem FC Bayern, in dem die Rheinländer auf den verletzten Ex-Münchner Mitchell Weiser verzichten müssen, trotzdem gut.

In dieser Dichte, habe ich das noch nicht erlebt.

Sportchef Rudi Völler

Bosz‘ Idee von Fußball passt eigentlich gut zur Werkself. Der Niederländer, der einst ein mit sehr jungen Spielern gespicktes Ajax Amsterdam ins Finale der Europa League geführt hat, ehe er bei Borussia Dortmund wegen seines riskanten Stils scheiterte, setzt auf viele Facetten eines anspruchsvollen Angriffsfußballs. Er wolle, dass die Zuschauer nach jedem Spiel sagen „wie großartig das war“, formuliert er sein Ziel. „Einen offensiven Ansatz zu haben, den Ball haben zu wollen, Sachen zu kreieren, dafür steht Bayer 04 ja in fast allen Jahren. Das ist auch der Reiz, der unseren Verein ausmacht“, sagte Sportdirektor Simon Rolfes bei der Vorstellung von Bosz im vergangenen Januar. Seitdem arbeitet der Nachfolger von Heiko Herrlich daran, Ballbesitzfußball kombiniert mit aggressivem Gegenpressing zu perfektionieren. Die Ajax-Schule brachte Bayer in der Rückrunde Bestwerte ein: Kein Team in den großen europäischen Ligen hat mehr Ballbesitz (67 Prozent), ebenfalls ganz vorne rangierte das Team bei den gespielten Pässen.  Am Ende sprang Platz vier heraus und damit die Champions League-Teilnahme. Die einzige kleine Krise gab es im April, als Leverkusen drei Partien hintereinander verlor – aber die Führung nie den Glauben an Bosz. „Er ist genau der richtige Trainer für die Spieler, die wir haben“, sagte Völler.  Personell tat sich in der Sommerpause auch deshalb nicht viel. Der zu Dortmund abgewanderte Julian Brandt wurde durch den vielseitigen Mittelfeldmann Kerem Demirbay (Hoffenheim) ersetze. Dazu kam der französische U19-Nationalspieler Moussa Diaby (Paris St. Germain) für den Angriff. Um Ähnliches zu erreichen wie im vergangenen Spieljahr, sagte Bosz im Sommer, „müssen wir uns verbessern“.

In dieser Runde ist das Ringen um Konstanz und einen Platz ganz vorne trotz des besten Saisonstarts seit vier Jahren aber etwas zäher - auch weil in der ersten Tabellenhälfte eine enorme Dichte herrscht. Der Neunte Leverkusen liegt nur drei Punkte vom Vierten Freiburg entfernt. Allerdings gab es bisher nur einmal drei Punkte Sieg gegen Teams, die im Moment vor den Rheinländern rangieren. Vor dem 2:0 beim VfL Wolfsburg hatte die Mannschaft gar viermal in Serie in der Bundesliga nicht gewonnen.  Die Wende brachte der erste Erfolg in der Champions League nach drei Niederlagen in den ersten drei Gruppenspielen. „Vertrauen ist da, aber das braucht Ergebnisse. Wenn man gut spielt, aber keine Punkte holt, spielt man irgendwann auch schlechter“, sagte Bosz nach dem 2:1 gegen Atletico Madrid. Es geht deshalb noch besser bei Bayer.