Gegner
Längst kein Underdog mehr

Der FC Augsburg hat so einen guten Saisonstart hingelegt wie noch nie, doch die beiden jüngsten Niederlagen trüben die Stimmung. Manager Stefan Reuter weiß, dass die Erwartungshaltung steigt in der Mannschaft und im Umfeld, warnt aber davor, sich blenden zu lassen.  

Es gibt Spiele, da gibt es wenig bis keine Erklärung für das, was auf dem Platz passiert. Den Trainer des FC Augsburg, Manuel Baum, ergingt es so nach der Partie gegen Werder Bremen. Er sprach von einem „dubiosen Ergebnis“, weil es so gar nicht dem entsprach, was er und die Zuschauer in der Augsburger Arena gesehen hatten. „Die Bremer haben, glaube ich, überhaupt keine Ahnung, wie sie das Spiel gewonnen haben, und wir haben keine Ahnung, wie wir es verloren haben“, sagte er. Bremen war zwar durch Max Kruses Doppelpack in Führung gegangen, aber Augsburg startete eine erfolgreiche Aufholjagd und war nach den beiden Toren von Ja-Cheol Koo sowie Philipp Max die überlegene Mannschaft. Ein Patzer von Torwart Fabian Giefer eine Viertelstunde vor dem Ende stoppte die Schwaben. Weil der Schlussmann bereits eine Woche zuvor in Mainz zwei Gegentore mitverschuldet hatte, reagierte Baum besonders aufgewühlt. „Es ist leider im Berufsleben so, dass du denjenigen, der drin steht, nach dem Job beurteilen musst, da steht aber ein Mensch im Tor, um den es mir unglaublich leid tut“, sagte der FCA-Trainer.

Giefer hatte am Saisonbeginn die Nachfolge von Marwin Hitz angetreten. Der Schweizer war nach sechs Jahren beim FC Augsburg zu Borussia Dortmund weitergezogen. Der Wechsel auf der Torwart-Position war nicht die einzige wichtige Personalie der Schwaben. André Hahn kehrte vom Absteiger Hamburger SV zu dem Klub zurück, bei dem er gut vier Jahre zuvor durchgestartet war. „Er passt ideal zu unserer Spielweise“, sagte Manager Stefan Reuter über den 28-Jährigen. „Mit seiner Professionalität, Power und Dynamik wird er uns gut tun.“ Außerdem verpflichteten die Augsburger Abwehr-Talent Felix Götze vom FC Bayern und Julian Schieber von Hertha BSC, der Stürmer musste allerdings Mitte Juli am Knie operiert werden und fehlt seitdem.  

Der Club hat sich in seinem achten Bundesliga-Jahr zum ersten Mal getraut, mit ein paar forscheren Tönen in die neue Runde zu starten. „Die Erwartungshaltung steigt“, weiß Reuter nach einer Saison ganz ohne Abstiegssorgen, aber man dürfe sich nicht blenden lassen. „Wir haben gezeigt, dass wir kein Underdog sind“, sagte der niederländische Verteidiger Jeffrey Gouweleeuw. „Nur mit dem Klassenerhalt möchte ich mich nicht mehr zufriedengeben.“ 

Nur mit dem Klassenerhalt möchte ich mich nicht mehr zufriedengeben.

Verteidiger Jeffrey Gouweleeuw

Und auch Philipp Max, der Sohn des ehemaligen Torschützenkönig Martin Max, will zeigen, „dass wir kein ganz kleiner Klub mehr sind“. Er ist sicher: „Wir können eine richtig gute Saison spielen. Es fruchtet, was wir machen.“ Ihrem Spielstil sind die Schwaben treu geblieben, wieder setzen sie auf Pressing und schnelles Umschalten, das Baum, wie er sagt, „flexibel und in verschiedenen Grundordnungen“ umsetzen will.

Noch nie war der FC Augsburg besser in die Bundesliga gestartet als dieses Mal. Zwar zitterte sich die Mannschaft im DFB-Pokal beim Regionalligisten TSV Steinbach-Hager in die zweite Runde, aber nach dem Sieg gegen Aufsteiger Düsseldorf und dem Remis gegen Mönchengladbach waren die Schwaben voller Selbstvertrauen. Der Österreicher Michael Gregoritsch sprach von einer „Weltklasse-Truppe auf dem Platz und in der Kabine“. Die Augsburger hatten so viele Punkte wie der BVB, außerdem die Gewissheit, gegen Gladbach die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Und die wirtschaftlichen Zahlen stimmen auch: Der Club hat etwas mehr als 10 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erwirtschaftet im abgelaufenen Geschäftsjahr, so viel wie noch nie. Nur die Niederlagen gegen Mainz und Bremen trübten die Stimmung etwas. „Wir halten zusammen, wenn es schwierig wird“, sagte Reuter vor der Partie in München.