Gegner
Kölns großes Ziel: Raus aus dem Fahrstuhl

Der „Effzeh“ will sich nach sechs Abstiegen in 20 Jahren endlich wieder auf Dauer in der Bundesliga etablieren.

Egal, was passiert, die Abendplanung des 1. FC Köln steht. Der gesamte Kader der Rheinländer ist dabei in München, um die Bundesliga-Reise bei einem gemeinsamen Oktoberfestbesuch ausklingen zu lassen. Trainer Achim Beierlorzer versteht den Ausflug auch als Teamevent, „das etwas bewirken soll, was nur positiv ist“, sagte er. „Ich nehme alles auf mich, wenn es am Schluss nicht funktionieren sollte.“ Der Franke hat angekündigt, im Spiel gegen den FC Bayern mutig aufzutreten. Seine Mannschaft, die kurzfristig auf den am Außenmeniskus operierten Mittelfeldspieler Birger Verstraete verzichten muss, solle „nach vorne verteidigen“, findet Beierlorzer, denn „wenn man mit dem Vorhaben Schadensbegrenzung in ein Spiel gegen die Bayern gehen will, bin ich der falsche Mann.“

Klingt forsch angesichts der bisherigen Saisonbilanz mit nur einem Sieg und Platz 15 nach vier Spielen. Allerdings hat der Aufsteiger auch ein hartes Auftaktprogramm erwischt mit den Partien gegen die Europa League-Teilnehmer Wolfsburg und Mönchengladbach sowie Vizemeister Dortmund, gegen den die Kölner sogar in Führung gegangen waren und eine Halbzeit lang frech aufspielten, nach dem Ausgleich der Westfalen aber „einfach zu gierig“ waren, wie der Trainer fand. Dazu kam ein schweres Pokal-Los, in der ersten Runde erwischten die Rheinländer mit dem SV Wehen-Wiesbaden einen Zweitligisten, erst im Elfmeterschießen rangen sie den Gegner nieder.

Wenn man mit dem Vorhaben Schadensbegrenzung in ein Spiel gegen die Bayern gehen will, bin ich der falsche Mann.

Trainer Achim Beierlorzer

Dennoch scheint der 1. FC Köln noch nicht so richtig wieder in der Bundesliga angekommen zu sein. Es fehlte in den ersten Spielen oft Cleverness und Abgebrühtheit sowie die Durchschlagskraft vor dem Tor. „Wir haben den Gegner durch unsere Fehler gerade im Passspiel stark gemacht", gab Kapitän Jonas Hector nach der Niederlage gegen Mönchengladbach zu. Im rheinischen Derby standen sieben Spieler ohne Erfahrung in der höchsten Spielklasse in der Startelf.

Das Ziel ist es, den 1. FC Köln dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren, denn der Verein ist momentan Halter einer Bestmarke, auf die niemand im Klub stolz ist: Keine Mannschaft sprang in diesem Jahrtausend häufiger zwischen der ersten und zweiten Liga hin und her – aber damit soll nun Schluss sein. „In 20 Jahren sechsmal abzusteigen, das ist einfach zu viel, da geht die Schere immer weiter auseinander. Man kann keine Werte aufbauen, wenn man ein Fahrstuhlklub ist, dafür braucht man Kontinuität“, sagte Sport-Geschäftsführer Armin Veh zu Saisonbeginn. Er übergab das Traineramt nach dem Aufstieg in Achim Beierlorzer, der als Referenz eine sehr gute Saison mit Jahn Regensburg in der zweiten Liga vorzuweisen hatte, aber keinerlei Erfahrung in der höchsten Spielklasse. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir nicht nur einen guten Trainer bekommen, sondern auch einen, der eine Persönlichkeit hat und Spieler führen kann“, erklärte Veh seine Entscheidung im Sommer. In den ersten Spielen ließ sich bereits die Handschrift des neuen Trainers beginnen, aber die großen Bewährungsproben kommen erst noch – gegen die Mannschaften, die im Moment wie Köln weiter unten in der Tabellen liegen. In der nächsten Wochen gegen das bisherige Schlusslicht Hertha BSC zum Beispiel.