Interview Gegner
„Ich hoffe, dass es 17 Bayern-Jäger gibt“

Vor seiner Abschieds-Saison in Hoffenheim hat sich Trainer Julian Nagelsmann (31) hohe Ziele gesteckt.

Herr Nagelsmann, am Freitag ist Saisonauftakt beim FC Bayern in der Allianz Arena  – was haben Sie sich vorgenommen?

Wir müssen mutig sein bei Ballbesitz, um dem Druck standzuhalten. Wenn wir zu viele Ballbesitz-Phasen abgeben, dann wird es schwer, weil die Bayern von der Qualität ihrer Einzelspieler so gut sind, dass sie jeden Gegner in der Bundesliga knacken können. Dazu müssen wir auch defensiv mutig sein, sie unter Druck setzen und nicht zu viel Platz lassen. Wir haben uns einige Varianten überlegt - mal sehen, was wir davon umsetzen können.
 

Ihre Bilanz gegen den FC Bayern ist mit zwei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage positiv – nur in München konnten sie noch nicht gewinnen…

Als Niko Kovac noch in Frankfurt war, gab es einige enge Spiele und wir konnten auch in Frankfurt   gewinnen. Die Situation ist nun ein bisschen verzwickter, weil Niko zum einen ein sehr guter Trainer ist, zum anderen noch ein bisschen bessere Spieler hat als in Frankfurt. Ich bin schon optimistisch, aber Bayern hat sich in der Vorbereitung auch sehr gut präsentiert. Das Pokalspiel möchte ich nicht zu hoch hängen, das kann man als Sportler durchaus nachvollziehen, wenn es für den unterklassigen Gegner das Spiel des Jahrhunderts ist - da geht es am Ende einfach ums Weiterkommen. Das Spiel im Supercup oder der Test gegen Manchester United sind da für mich wesentlich aussagekräftiger. Die Bayern haben einen sehr guten Plan unter Niko, dennoch trauen wir uns auch dort einen Sieg zu.
 

Sie haben neulich gesagt, dass Sie nach dem „Maximalen“ streben. Das wäre in der Bundesliga die Meisterschaft.

Ich sagte nicht, dass wir Meister werden, sondern dass wir es probieren wollen. Denn jeder Sportler geht in einen Wettkampf, um ihn zu gewinnen. Als Sprinter macht es auch relativ wenig Sinn, in ein Olympisches Finale zu gehen und sich Platz fünf vorzunehmen. Dafür gibt es nichts. Natürlich wird es sehr schwer, oben mitzuspielen - und wir sind auch nicht die Einzigen, die sich ambitionierte Ziele stecken. Ich hoffe, dass es 17 Bayern-Jäger in der Liga gibt, die versuchen, dem FC Bayern das Leben so schwer wie möglich zu machen, denn Bayern ist nun mal das Maß aller Dinge in der Liga. Wir sollten alle alles dafür tun, dass die Liga interessant wird und die Bayern ein bisschen anzukratzen.
 

Sie haben bereits frühzeitig Ihren Abschied aus Hoffenheim und den Wechsel nach Leipzig zur nächsten Saison bekannt gegeben. Was macht Sie zuversichtlich, dass dies Ihre erfolgreichste Saison wird?

Wir haben den Kader breiter aufgestellt und sind sicherlich stabiler geworden. Dazu konnten wir unsere Torgefahr im Mittelfeld erhöhen. Sicher mussten wir mit Mark Uth und Serge Gnabry auch zwei torgefährliche Spieler abgeben, ich denke aber, das haben wir gut kompensiert. Wir haben versucht, unseren Abläufe zu stabilisieren und sind gerade in der Defensive kompakter geworden. Es geht nicht immer darum, sich mit neuen Spielern zu verbessern, sondern auch die bestehenden Spieler - auf die ich sehr viel gebe - weiterhin zu verbessern. Ich glaube, das ist uns in der Vorbereitung ganz gut geglückt.