Jugend
Aus der Schul-AG in die ProB

Zweimal deutscher U14-Meister, dann deutscher Meister mit der U16 und schließlich auch mit der U19 der Bayern: Mit gerade einmal 15 Jahren hatte Luis Wulff bereits alle großen Nachwuchstitel im deutschen Basketball gewonnen. Mehr geht nicht. Obendrauf bekam er 2019 die Auszeichnung „JBBL-Rookie des Jahres“ aus den Händen von Nationaltrainer Henrik Rödl überreicht. Dieses Jahr startete er als 16-Jähriger in seine erste ProB-Saison. 2004 in München geboren, gehört er zu den Jüngsten im juvenilen Team der Münchner Zweitvertretung, der jüngsten überhaupt im Wettbewerb.

Das ist allerdings nichts Neues für den Guard des FCBB II, denn egal ob bei Bayern oder in der deutschen Jugendnationalmannschaft: Luis war schon immer ein bis zwei Jahre jünger als die meisten Teamkollegen. „Luis hat im letzten Jahr durch seine Erfahrungen in der NBBL und der ersten Regionalliga einen großen Sprung gemacht“, sagt ProB-Trainer Andreas Wagner, „das spiegelt sich auch in dieser Saison wider.“ Für Wagner ist der knapp zwei Meter große Athlet nicht nur ein großes Talent, sondern auch einer, „der seiner Zeit voraus ist“.


Auch für die Fußballer im Einsatz

Luis ist zudem ein echtes Münchner Eigengewächs und Paradebeispiel für die schlüssige Kinder- und Jugendarbeit des FC Bayern Basketball: Zum Basketball kam er in der dritten Klasse durch die Schul-AG. Schon damals ist er dem Mini-Koordinator des FCBB, Marko Woytowicz, aufgefallen: „Seine Spielfähigkeit und Bewegungsfreude waren so ausgeprägt, dass er sich mit Selbstverständlichkeit und Dominanz auf dem Parkett bewegte.“

Dass in dem damals Achtjährigen ein Talent für Ballsportarten schlummerte, hat nicht nur die Basketballabteilung des FC Bayern erkannt. Nach einer kurzen Fußballkarriere beim FT Gern durfte Luis sogar für ein paar Spiele im Trikot des Münchner Rekordmeisters auflaufen. Doch schon früh entschied er sich für Basketball: „Mir hat es einfach mehr Spaß gemacht.“


Seit der U10 dabei

Luis durchlief das komplette Jugendprogramm, von der U10 bis in die dritthöchste Profiliga, die Barmer 2. Basketball Bundesliga ProB Süd. Im Schnitt steht er mehr als 15 Minuten auf dem Parkett und macht rund fünf Punkte pro Spiel. Luis sagt: „Der FCBB ist für mich wie eine große Familie, weil ich von klein auf hier reingewachsen bin.“

Seit der siebten Klasse geht Luis Wulff auf die Eliteschule des Sports im Münchner Norden. Eine Einrichtung, die es talentierten Nachwuchsathleten aus verschiedenen Sportarten ermöglicht, neben dem Unterricht auch vormittags individuell zu trainieren. Zusammen mit Teamkollege Abraham Retz wechselte der damals 12-Jährige an die neugegründete Schule. Seither gehört die morgendliche Basketballeinheit bei Individualtrainer und Mentor Steffen Hamann genauso zu seinem Stundenplan wie Mathematik und Deutsch. Zusammen mit den Teamtrainings am Nachmittag kommt Luis auf zehn Trainingseinheiten pro Woche. „Das Konzept funktioniert super!“


Mit 16 in der dritten Profiliga

Kennengelernt haben sich Wulff und Hamann bei einem U14-Turnier in Berlin, bei dem Steffen zum ersten Mal als Trainer der Bayern mitreiste. „Klar kannte ich Steffen Hamann schon, aber nur als Sportler“, erinnert sich Wulff. Kurz vor dem Turnier sagte der frühere Nationalspieler zu ihm: „Ich will, dass du MVP des Turniers wirst.“ Luis wurde MVP. Er spielte übrigens mit der gleichen Rückennummer wie einst Hamann, mit der 6. „Das war schon ziemlich cool und deshalb habe ich sie auch behalten.“

Doch wer die laufende ProB Saison bislang verfolgt hat, dem ist wahrscheinlich aufgefallen, dass Luis jetzt mit einer anderen Nummer aufläuft. Teamkollege Matej Rudan, 20, hatte sich zu Beginn der Saison bereits Luis Nummer gegriffen. Als Küken im Team gibt es erst mal keine Vorrechte, klar: „Als jüngster Spieler kann man sich nicht immer alles aussuchen “. Mit ein bisschen Kreativität entschied er sich für die Neun.  „Dreht man die Sechs um, ist es eine Neun.“ Logisch.

Steffen und Luis haben nicht nur einstige Rückennummern oder die Spielposition gemeinsam. „Als Mentor von Luis bin ich nicht nur sehr beeindruckt von seiner sportlichen, sondern auch von seiner persönlichen Entwicklung“, sagt der Meisterkapitän der Bayern von 2014. Auch abseits des Spielfeldes ist der Teenager viel aktiv und interessiert sich besonders für Musik und Fotografie. Hamann schätzt zudem gedeihende Backkünste des Schülers: „Da er das ein oder andere Wurfspiel gegen mich verloren hat, durfte ich des Öfteren schon seinen Kuchen kosten.“
 

Mentor Hamann und der Ehrgeiz, sich weiterzuentwickeln

Nicht nur die Trainer des FCBB sind sich einig, dass Luis zu den hoffnungsvollen deutschen Talenten seines Jahrgangs gehört. Regelmäßig wird er zu Lehrgängen der Jugendnationalmannschaft eingeladen und spielte bereits zusammen mit Michael Rataj bei der U16-EM mit. „Es ist natürlich eine Ehre, für Deutschland zu spielen, aber wenn man sich selbst einbildet, zu den Besten zu gehören, ist das eher hindernd. Stattdessen versuche ich einfach, jederzeit mein Bestes zu geben.“ Das klingt erstaunlich vernünftig.

Immer wieder blickt Luis also selbstkritisch auf seine eigenen Leistungen. „Er ist sehr ehrgeizig und schnell unzufrieden, wenn es nicht gut läuft“, heißt es auch aus dem Mannschaftskreis. Das Team hält zusammen und baut sich gegenseitig stets wieder auf. „Wir haben eine gute Chemie und können uns gegenseitig vertrauen.“ Da hilft es auch, dass die Jungs sich schon lange untereinander kennen und auch außerhalb der Halle gut verstehen.

Jetzt, wo Luis in der ProB angekommen ist, rücken die Jugendtitel immer mehr in den Hintergrund. Auf den bisherigen Auszeichnungen will er sich nicht ausruhen. „Es waren tolle Erfahrungen. Dennoch liegt der Fokus in dieser Saison darauf, sich selbst zu entwickeln und bestmöglich abzuschneiden.“ Sein Ziel für den weiteren Saisonverlauf ist es, souveräner aufzutreten und mehr Entscheidungen zu treffen, damit er „dem Team besser helfen kann“.

Luis Wulff weiß, dass er noch weiter sehr hart arbeiten muss, bis er eine konstante Größe im ProB-Team sein wird. Aber dafür hat er ja noch so viel Zeit: Am vorigen Sonntag feierte er seinen 17. Geburtstag. Er gilt weiterhin als blutjung.

 

Die Heimspiele des FCBB II werden allesamt über den YouTube-Kanal der Bayern live gestreamt.  

Letztes ProB-Heimspiel im YouTube-Stream des FCBB: 

Samstag, 20. März, 14 Uhr: FCBB II – TSV Oberhaching Tropics